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31.05.2016

BDKJ positioniert sich klar gegen Menschenfeindlichkeit

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Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) bezieht klar Position gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Mit dem Beschluss „Wir widersprechen - weil wir glauben“ macht der Dachverband deutlich, dass in den katholischen Jugendverbänden und Jugendorganisationen Demokratie erlebbar wird und alle Formen von Menschenfeindlichkeit keinen Platz haben.

„Hass und Gewalt sind keine Formen der politischen Auseinandersetzung“, stellt die BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier klar.  „Wir erleben derzeit eine massive Zunahme an Gewalt gegen Geflüchtete und deren Unterstützerinnen und Unterstützer. Viele Menschen unterstützen diese Gewalt verbal oder rufen sogar offen dazu auf. Gegen diese, aber auch andere Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit müssen und werden wir als katholische Jugendverbände klar eintreten“,  betont Maier weiter. Als besonders besorgniserregend bewertet der BDKJ die Verbindungen der extremen Rechten zu Teilen der christlichen Kirchen: „Christinnen und Christen können bei vielen Themen unterschiedlicher Meinung sein, Menschenfeindlichkeit und Rassismus können aber niemals Teil einer christlichen Haltung sein“, so Maier. „Wir lassen nicht zu, dass Menschen im Namen unseres Glaubens angefeindet und ausgegrenzt werden.“

Der BDKJ unterstützt die klare Haltung der katholischen Bischöfe gegen Rassismus und Rechtspopulismus und fordert zugleich die Deutsche Bischofskonferenz auf, ihr Engagement gegen Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auch strukturell noch stärker auszubauen.

Eine große Verantwortung sieht der BDKJ auch bei den politischen Verantwortlichen der Parteien: „Politikerinnen und Politiker dürfen mit der Verbreitung von Angst nicht auf Stimmenfang gehen. Populistische Stimmungsmache mit Stammtischparolen muss auch im Wahlkampf ein Tabu sein“, so die Bundesvorsitzende. Stattdessen fordert der BDKJ politische Bildungsarbeit stärker in den Fokus zu nehmen und einen auf Langfristigkeit angelegten Ausbau der staatlichen Finanzierung von Aktivitäten gegen Rassismus und weitere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Die BDKJ-Hauptversammlung ist das höchste beschlussfassende Gremium des BDKJ. Rund 100 Delegierte aus ganz Deutschland haben bis Sonntag auf Burg Rothenfels Positionen zur Zukunft von Kirche und Gesellschaft bezogen. Der BDKJ ist Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden und –organisationen mit rund 660.000 Mitgliedern. Er vertritt die Interessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Kirche, Politik und Gesellschaft.
 

PM BdKJ/Theresa von Bischopink

31.05.2016

Stammtisch und Kirchenbank – Was tun gegen rechtsextreme Christen?

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Ökumenische Konferenz der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus tagte in Villigst

Fremde unter uns – das ist das Thema in Politik und Medien, an Stammtischen und auch in Kirchen. Einerseits engagieren sich so viele wie vielleicht nie zuvor, andererseits ist vielerorts Feindlichkeit gegenüber Muslimen spürbar. Über die Positionierung der Kirche zwischen gesellschaftspolitischem Engagement und rechtskonservativen Tendenzen wurde auf der ökumenischen Konferenz der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus diskutiert.

"Diese Menschen, die unter dem Hashtag #WirSindChristen anti-muslimische Hetze verbreiten, haben den Leib Christi wohl mit einem Christstollen verwechselt", sagt der Überraschungsgast Volker Beck und erntet dafür zustimmendes Gemurmel und Nicken vom Konferenzpublikum. Doch wie reagiert man am besten auf Hetze, die angeblich im Namen aller Christen geschieht? Beck, der bis vor kurzem religionspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag war, hat versucht, ihnen mit einem Vers aus der Bergpredigt nach Matthäus den Spiegel vorzuhalten: "Wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?" (Matthäus 5,47). Sich nur auf die einzulassen, die die eigene Meinung vertreten, findet Beck zu einfach.
Nicht aufhören zu diskutieren

Ob die Hetzer jetzt darüber nachdenken, wie ihr Handeln mit christlichen Werten vereinbar ist – er weiß es nicht. Aber Beck will nicht aufhören zu diskutieren. "Die Populisten sind im Internet so stark, weil sie top darin sind, alles zu verkürzen und zuzuspitzen", sagt der Politiker. Demokraten hingegen diskutieren Themen in all ihrer Komplexität und differenzieren – zu Recht, wie Beck findet, und man dürfe auch nicht damit aufhören. Er predigt an diesem Tag zu den Bekehrten. Denn die rund 70 Anwesenden wollen differenziert darüber diskutieren, wie die Kirchen mit der Herausforderung des gesellschaftlichen Rechtsrucks umgehen können und was sie der Feindbildinszenierung theologisch entgegenzusetzen haben.

Annette Jantzen, Referentin für Kirchenpolitik und Jugendpastoral des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, gibt offen zu, dass ihr die Frage, ob sich die Kirche gegen Rechtsextremismus stellen müsse, zuerst fremd war. "Ich empfinde es als selbstverständlich, dass wir Fremden mit Empathie begegnen und uns im Umkehrschluss natürlich gegen Rechtsextremismus stellen müssen", sagt sie und beruft sich dabei beispielsweise auf 3. Mose 19,33-34: "Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben: Er ist wie du; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen."


Die Bibel erzählt auch eine Abgrenzungsgeschichte

Dann sei ihr jedoch bewusst geworden, dass Religion und Kirche nicht per se vor gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit schützen können – ganz im Gegenteil sogar. "Denn Religionen haben immer ein Innen und Außen, Gläubige und Ungläubige. Die Bibel erzählt auch eine Abgrenzungsgeschichte vom Judentum und den Heiden", erklärt Jantzen.

Für den Beauftragten für Kirche und Rechtsextremismus des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, Joachim Nolte, wird diese Dualität von Innen und Außen jedoch von der Zusage Gottes, die für alle Menschen gilt, übertrumpft. "Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch", so steht es beispielsweise in 1. Joh. 3,1. Jedoch werde Gottes Zusage von der Mehrheit nicht in dieser allumfassenden Breite erkannt. Dem stimmt auch Jantzen zu: "Die Menschen denken zum Beispiel: Gott muss mich ja zumindest ein kleines bisschen bevorzugen, weil ich zur Messe gehe. Die Vorstellung, dass Gott alle Menschen unabhängig von ihren Taten gleich liebt, ist schwer zu verinnerlichen." Diese Verheißung für alle sei jedoch ein wichtiges theologisches Argument gegen jene, die gegen Ausländer, Homosexuelle und andere hetzen.


Abbau von Unwissenheit und Vorurteilen

Doch nicht nur diese Verheißung könne gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit helfen. Der evangelische Theologe und Soziologe Thomas Dreessen schwört auf die Wirksamkeit gemeinsamer, positiver Erfahrungen. Er bringt Jugendliche zusammen und lässt sie gemeinsam etwas unternehmen. "Nicht über Bibelstellen reden ist wichtig, sondern im Leben danach handeln. Und das eigene Auenland verlassen, um zu erfahren, wie andere Menschen leben", sagt Dreessen. Der Abbau von Unwissenheit und Vorurteilen aller Art sei wichtig, da beides der beste Nährboden für Ängste sei und diese gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit fördere. Stattdessen solle man Jesu Beispiel folgen: Er habe jeden an seinen Tisch eingeladen – die Sünder, die Zöllner, die Samariter. Wer sie waren – es spielte keine Rolle. "Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau, denn ihr seid allesamt eins in Christus", schrieb Paulus an die Galater (3,28).

"Schütze das Recht der Hilflosen"

Irgendwann kommt in der Diskussion die Frage auf, wie man diese Inhalte all jenen begreifbar machen sollte, die "unterm theologischen Radar fliegen". Dieser gedankliche Schritt in die Praxis fällt einigen Teilnehmenden schwer. Denn theologische Erkenntnis ist nicht gleich Praxis. "Wir dürfen nicht die Fachsprache und komplexe Bibelauslegungen verwenden, sondern müssen die Befreiungs- und Entgrenzungsgeschichte tatsächlich lebendig erzählen, denn so ist der hermeneutische Schlüssel automatisch mit drin", fordert Annette Jantzen. Und Thomas Dreessen fügt hinzu: "Wir müssen sie mit Leben füllen und im Alltag danach handeln."

Am Ende der Konferenz bleibt jedoch auch die Erkenntnis, dass es kein theologisches Allheilmittel gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gibt. Was eigentlich wirken sollte – nämlich die Verheißung, dass alle Gottes Kinder sind und die Selbstrelativierung, die im Glauben steckt – wirkt nicht bei allen. Damit muss man klarkommen – aber sich nicht damit abfinden. Denn die Bibel (Sprüche 31,8-9) fordert auf: "Du aber tritt für die Leute ein, die sich selbst nicht verteidigen können! Schütze das Recht der Hilflosen. Sprich für sie und regiere gerecht! Hilf den Armen und Unterdrückten!"

Lena Ohm (evangelisch.de)

04.04.2016

"Willkommen bei Freunden" Neues deutsch-arabisches Sach- und Bilderbuch für Flüchtlingskinder erschienen

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02.04.2016 ǀ Schwerin.  Ein neues deutsch-arabisches Bilderbuch für Kinder ab vier Jahren will Flüchtlingen Themen des Alltags in Deutschland näherbringen. Es geht um Kindergarten, Müllentsorgung, Kirche und mehr. In Schwerin wurde das Buch jetzt vorgestellt.

"Du kannst bei mir wohnen. Ich helfe dir gerne!" In einem neuen deutsch-arabischen Bilderbuch für Flüchtlingskinder hört eine weiße Taube aus "einem fernen Land" immer wieder diese freundlichen Worte von verschiedenen Vögeln, denen sie nach "einem heftigen Sturm" erschöpft in "einem anderen Land" begegnet. Schwalbe, Rabe, Elster und Co. helfen ihr, dieses Land besser kennenzulernen und sich einzugewöhnen.

Das 24-seitige Buch mit dem Titel "Willkommen bei Freunden" soll nach Angaben der Deutschen Kinderhilfe einen Beitrag zur Integration von arabischsprechenden Flüchtlingskindern in Deutschland leisten und ist für Kinder im Kita-, Vor- und Grundschulalter gedacht. Es sei auch ein Appell an Menschlichkeit sowie an eine gastfreundliche Aufnahme von Flüchtlingen, sagte Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, zur öffentlichen Präsentation des Buches am Freitag in Schwerin.

5.000 Exemplare für Flüchtlingskinder in MV

Die Publikation ist Ergebnis eines Bildungsprojekts der Deutschen Kinderhilfe mit dem Talisa-Kinderbuch-Verlag (Langenhagen/Niedersachsen) in Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Mecklenburg-Vorpommern. Die Deutsche Kinderhilfe setze sich seit Jahren für die Förderung der Sprach- und Lesekompetenz ein, "denn diese sind der Schlüssel zur Welt", sagte Becker. Demnächst sollen 5.000 Exemplare kostenlos an Flüchtlingskinder im Nordosten verteilt werden. Kinderhilfe, Kinderschutzbund und DRK hofften, "dass ihre Idee auch in anderen Bundesländern aufgegriffen und weiter praktiziert wird".

Die wechselnden Schauplätze der Geschichte sollen dazu anregen, mit Kindern über das Alltagsleben, Freizeitmöglichkeiten und die deutsche Kultur zu sprechen, hieß es. Dabei geht es um Themen wie Kindergarten, Bauernhof, Bibliothek, Müllentsorgung, Kirche und Stadtverkehr. Nicht zuletzt werde gezeigt, "dass man überall auf der Welt Freunde finden kann". Außerdem sollen die Eltern animiert werden, ihren Kindern vorzulesen und selber erste deutsche Sätze zu lernen.

Taube hat besonderen Symbolwert

Dass die Taube als Hauptfigur in dem Buch nach einem neuen Zuhause sucht, ist kein Zufall. Die Taube habe im Islam einen besonderen Symbolwert, erklärte Becker. Zum einen stehe sie als Krafttier für Hoffnung, Schutz und Erlösung, zum anderen repräsentiere sie auch Frieden, Freiheit, Liebe und Sanftmut. Außerdem könnten die Fantasiefiguren des Buches gegebenenfalls auch traumatisierten Kindern helfen, "ihre Gefühle zuzulassen, da sie nicht auf direktem Weg mit ihrer realen Welt konfrontiert werden".

Zum Schluss des Buches trifft die Taube einen Adler, der im Berliner Reichstagsgebäude wohnt. Dieser Greifvogel erklärt ihr, dass dort Gesetze gemacht werden. Und dass "in diesem Land" alle Frauen und Männer gleiche Rechte und Pflichten haben, Kinder besonders geschützt werden und jeder sagen darf, was er denkt.


Quelle: epd