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12.01.2018

"KRCHE MACHT DEMOKRATIE" Modulare Qualifizierung 2018

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Unsere modulare Qualifizierung lädt Sie ein, in politisch aufgeladenen Zeiten Ihr Engagement zu professionalisieren. In 4 Basis-Seminaren bieten wir Ihnen Raum und „Handwerkszeug“, Ihr Handeln für Kirche und Gesellschaft zu reflektieren und zu erweitern. Gemeinsam mit anderen offenen Menschen lernen Sie Moderationstechniken, Grundlagen des Projektmanagements, diskutieren aktuelle politische Fragen, entwickeln neue Ideen für Ihre Gemeinde. Höhepunkt der Modularen Qualifizierung ist die einwöchige Bildungsfahrt zur ökumenischen Bruderschaft nach Taize.*

Die Seminarreihe richtet sich an interessierte Menschen ab 18 Jahre aus Mencklenburg-Vorpommern. Gewünscht und empfehlenswert ist eine Teilnahme an allen vier Wochenenden. Für "alte Hasen" wird parallel ein Erweiterungskurs angeboten. Die Seminare beginnen und enden zu den angezeigten Daten um 16:00 Uhr.
Die Fortbildungen werden aus dem Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ des BMI gefördert und sind kostenfrei.*

Durch die Seminare begleiten Sie Arne Kühn und Karl-Georg Ohse von „Kirche stärkt Demokratie“ und Kristina Nauditt und Gerd Wermeskirch vom ARGO-Team Berlin.

Modul 1  “Die Welt ist ein Dorf“: 2. - 4. März 2018, Zingst
Die Gruppe und Ich
Ich und meine kleine Welt
Spielregeln der lokalen Politik
Meinen Ort in Bewegung bringen

Modul 2 „Wir sind das Volk!?“: 20. - 21. April 2018, Salem
Fundamente des demokratischen Miteinanders
Wir und die Anderen
Meine Werte- Deine Werte

Modul 3 "Das Glauben der Anderen": 1. - 2. Juni 2018
Politik und Religion
Fundament und Fundamentalisten
Kirchtürme zu Leuchttürmen machen

Modul 4 Streit muss sein: 19. - 20. Oktober 2018, Salem
Dialog und Kommunikation in Zeiten des Populismus
Moderieren können
Position und Kommunikation

6.-14. Oktober 2018: Bildungsfahrt nach Taize, Frankreich: „Spiritualität und Politik als Chance für unsere Demokratie?!“ * Dafür sind die Teilnahme an mindesten drei Seminaren und eine Selbstbeteiligung 100,00€ erforderlich.

11.09.2017

Rechtspopulistische Erzählungen vergiften das Klima in den Sozialen Netzwerken

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Eine rechts-alternative Medienlandschaft versucht, mit ihren Erzählungen die Debatte zu vergiften - insbesondere in den Sozialen Netzwerken mit großer Reichweite. Überzogen dargestellte Ereignisse und verfremdete Realitäten werden dadurch in die öffentliche Debatte und in die Leitmedien getragen: das Erfolgsrezept der Rechtspopulisten. Die Publikation "Toxische Narrative. Monitoring rechts-alternativer Akteure" ordnet das Phänomen der Narrative ein, untersucht ihre Verbreitung, und zeigt auf, wie ihnen am besten begegnet werden kann.

Narrative – Erzählungen, die Handlungen und Ereignisse mit Sinnzusammenhängen verknüpfen – helfen uns, die Welt zu ordnen, erklären und zu beschreiben, aus welchem Blickwinkel wir sie betrachten. Solche Erzählungen wirken wie andere Erzählungen auch: Sie wecken Emotionen und können motivieren. Doch was, wenn derartige Narrative Furcht, Ablehnung oder gar Hass wecken?

Rechtsextreme und Rechtspopulist_innen nutzen digitale Medien auf der Höhe der Zeit – und mit Erfolg. Die Funktionsweise Sozialer Netzwerke, wo sich emotional aufgeladene Erzählungen schnell in virale Hits verwandeln lassen, kommt ihrer Narration entgegen. Forschung, öffentliche Debatte und Gegenreaktionen konzentrieren sich bis jetzt weitgehend auf die Problematik von Fake News und strafrechtsrelevanten Inhalten. Die Erzählungen aber lassen sich nicht per Gesetz verbieten oder löschen, weil sie selten strafrechtlich relevant sind – und auch in gemäßigtem Ton ihre Wirkung entfalten.

Um toxischen Narrativen effektiv zu begegnen, bedarf es eigener kraftvoller Erzählungen – Demokratie-Narrative. Wir müssen lernen, Demokratie und Vielfalt nicht nur zu gestalten, sondern zu erzählen. Dazu will die vorliegende Bericht mit Analyse und ersten Handlungsideen einen Beitrag liefern.

Der Inhalt im Überblick:

    Narrative und ihre Wirkung
    Die Herausforderung durch rechts-alternative Medienstrategien
    Toxische Narrative und ihre Funktion
    Narrative bei den verschiedenen Akteuren
    Erkenntnisse und Handlungsempfehlugnen

Die Analyse "Toxische Narrative. Monitoring rechts-alternativer Akteure" kann bei der Amadeu Antonio Stiftung bestellt werden und unter dem Link unten heruntergeladen werden.


"Toxische Narrative" zum Download
(PDF-Dokument, 2 MB)

01.08.2017

Licht und Schatten in Stettin

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Mit „Kirche stärkt Demokratie“ auf Bildungsfahrt.

Ein Teilnehmer berichtet.

Im Rückblick auf die Wende 1989/90 denke ich oft, wie hat ein Außenstehender, jemand aus einem anderen Land, unsere damalige Gegenwart empfunden. Konnte er die Spannung, das Mittendrinsein , die Betroffenheit erfassen, in seiner geschichtlichen Dimension?
Mit anderen Teilnehmern des Seminars „Kirche stärkt Demokratie“ war ich am Wochenende 21./23.Juli 2017  in Szczecin/Stettin. Das Programm verlangte  von uns eine intensive Teilnahme. Nur Zuschauen, nur Zuhören ging gar nicht. In Szczecin/Stettin, einer Stadt, in der fast jede Gehwegplatte, jeder Gullydeckel deutsch-polnische, europäische Geschichte atmet, reicht äußere Anteilnahme nicht aus. Wir waren mittendrin in einer umbrechenden Gesellschaft.

Falko Reichard, vom Stettiner Bonhöffer-Zentrum brachte in einer Stadtwanderung Architektur und Geschichte in einen Jahrhunderte übergreifenden Kontext. Polen war oftmals gespalten und aufgeteilt durch seine europäischen Nachbarn aus Deutschland und Russland. Erst seit dem letzten Jahrhundert kann es sich zu einem eigenständigem Volk und Staat entwickeln. Die sich gegenseitig zugefügten Wunden sehen oberflächlich geheilt aus. Doch Volk und Staat fühlen sich noch im¬mer nicht so respektiert, wie es das erwartet. Wir liefen nicht nur einfach durch die Straßen, wir konnten Teile des pol¬nisch-deutschen Lebens mitfühlen, das Miteinander und Gegeneinander. Ich spürte den Phantomschmerz, bemerkte, dass manchmal ein politisches Heilpflaster benutzt wurde. Szczecin/Stettin ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie schwierig und schmerzhaft es ist, Geschichte zu verarbeiten.

In unserem Seminar setzen wir uns auch mit der Immigration und dem Minderheitenschutz auseinander. Der Sprecher des Rates der nationalen Minderheiten in Stettin, der Ukrainer Jan Syrnyk brachte uns sehr eindringlich die derzeitige mehr als schwierige Lage der Minderheiten nahe. Sein Vortrag ging weniger der aktuellen Flüchtlingsproblematik nach, sondern dem sehr kritischen Zusammenleben der gesamten Bevölkerung Polens. Die von ihm vertretenen Minderheiten leben meistenteils schon in der vierten Generation im Land. Wir erfuhren, wie ihre Möglichkeiten von der jetzigen Regierung eingeschränkt werden.

Es sind ernste Zeiten in Polen, das entnehmen wir auch den deutschen Medien. Die von der Mehrheit gewählte Regierung baut das Land um. Gewählt, aus dem berechtigten Wunsch vieler Wähler, soziale Verhältnisse zu ändern, legt die Regierungspartei massiv Hand an die Grundpfeiler der demokratischen Gesellschaft. Die PiS hat die öffentlich-rechtlichen Me¬dien in parteitreue Institutionen umgewandelt. Über die von ihr geleiteten Ministerien nimmt sie massiv Einfluss auf die Besetzung von Funktionen in Forschung und Bildung. Es findet ein Austausch hin zu parteitreuen Kadern statt. Nur durch den enormen Protest der polnischen Frauen konnte das umfassendste Abtreibungsverbot abgeschwächt werden. Aber durch den starken Druck der Regierung und Teilen der katholischen Kirche auf die Ärzte wird die Hilfe für die Frauen de facto abgeschafft. Große Teile der Bevölkerung sehen die Gefahr einer neuen Parteidiktatur auf sich zukommen. Spuren der Auseinandersetzung kann man im Stadtbild nicht übersehen. Einige Mitglieder unserer Gruppe nahmen an einer Demonstration gegen die neuen Gesetze zur Umgestaltung des Rechtssystem teil. Mit diesen Gesetzen wäre die Unabhängigkeit der Richter und die Gewaltenteilung in einer Demokratie beseitigt.
Im Gespräch mit Bogna Czałczyńska (Kongres Kobiet Szczecin) und Adam Reimann(Komitee zur Verteidigung der De-mokratie, KOD) spürten wir den Ernst der Situation. Es sind keine Befürchtungen, es sind handfeste, greifbare Tatsa-chen, die den Umbruch manifestieren. Die konservativen Kräfte in der Regierung und, ja, auch in der katholischen Kirche lassen sich nicht beirren in ihrem Tun. Aus den derzeitigen Diffamierungen in den „Regime-Medien“, kann in Kürze mas¬sive Gewalt gegen Andersdenkende werden. Damit rechnen die Oppositionellen im Land.

Die wenigen Stunden, die wir in Szczezin/Stettin verbringen durften, eröffneten für mich ein neues Verständnis für die polnische Situation. Im Abschlussgespräch wurde nicht nur Betroffenheit vorgetragen. Es wurden Vorstellungen entwi¬ckelt, wie aus unserem Kreis heraus etwas für die Unterstützung der demokratischen polnischen Opposition getan werden könnte.

Um auf den Anfang zurück zukommen: In den wenigen Stunden, die wir in Szczezin/Stettin verbrachten, waren wir mittendrin, fühlten uns nicht als Außenstehende. Wir wurden erfasst von der Ent¬wicklung.

Danken möchte ich Karl-Georg Ohse vom Kirchenkreis Mecklenburg, Zentrum kirchlicher Dienste, der seit Jahren ein Synonym für das Projekt „Kirche stärkt Demokratie“ in der Nordkirche ist, und den Moderatoren Kristina Nauditt und
Gerd Wermerskirch vom ARGO-Team Berlin.

Gerhard Schneider