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01.08.2017

Licht und Schatten in Stettin

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Mit „Kirche stärkt Demokratie“ auf Bildungsfahrt.

Ein Teilnehmer berichtet.

Im Rückblick auf die Wende 1989/90 denke ich oft, wie hat ein Außenstehender, jemand aus einem anderen Land, unsere damalige Gegenwart empfunden. Konnte er die Spannung, das Mittendrinsein , die Betroffenheit erfassen, in seiner geschichtlichen Dimension?
Mit anderen Teilnehmern des Seminars „Kirche stärkt Demokratie“ war ich am Wochenende 21./23.Juli 2017  in Szczecin/Stettin. Das Programm verlangte  von uns eine intensive Teilnahme. Nur Zuschauen, nur Zuhören ging gar nicht. In Szczecin/Stettin, einer Stadt, in der fast jede Gehwegplatte, jeder Gullydeckel deutsch-polnische, europäische Geschichte atmet, reicht äußere Anteilnahme nicht aus. Wir waren mittendrin in einer umbrechenden Gesellschaft.

Falko Reichard, vom Stettiner Bonhöffer-Zentrum brachte in einer Stadtwanderung Architektur und Geschichte in einen Jahrhunderte übergreifenden Kontext. Polen war oftmals gespalten und aufgeteilt durch seine europäischen Nachbarn aus Deutschland und Russland. Erst seit dem letzten Jahrhundert kann es sich zu einem eigenständigem Volk und Staat entwickeln. Die sich gegenseitig zugefügten Wunden sehen oberflächlich geheilt aus. Doch Volk und Staat fühlen sich noch im¬mer nicht so respektiert, wie es das erwartet. Wir liefen nicht nur einfach durch die Straßen, wir konnten Teile des pol¬nisch-deutschen Lebens mitfühlen, das Miteinander und Gegeneinander. Ich spürte den Phantomschmerz, bemerkte, dass manchmal ein politisches Heilpflaster benutzt wurde. Szczecin/Stettin ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie schwierig und schmerzhaft es ist, Geschichte zu verarbeiten.

In unserem Seminar setzen wir uns auch mit der Immigration und dem Minderheitenschutz auseinander. Der Sprecher des Rates der nationalen Minderheiten in Stettin, der Ukrainer Jan Syrnyk brachte uns sehr eindringlich die derzeitige mehr als schwierige Lage der Minderheiten nahe. Sein Vortrag ging weniger der aktuellen Flüchtlingsproblematik nach, sondern dem sehr kritischen Zusammenleben der gesamten Bevölkerung Polens. Die von ihm vertretenen Minderheiten leben meistenteils schon in der vierten Generation im Land. Wir erfuhren, wie ihre Möglichkeiten von der jetzigen Regierung eingeschränkt werden.

Es sind ernste Zeiten in Polen, das entnehmen wir auch den deutschen Medien. Die von der Mehrheit gewählte Regierung baut das Land um. Gewählt, aus dem berechtigten Wunsch vieler Wähler, soziale Verhältnisse zu ändern, legt die Regierungspartei massiv Hand an die Grundpfeiler der demokratischen Gesellschaft. Die PiS hat die öffentlich-rechtlichen Me¬dien in parteitreue Institutionen umgewandelt. Über die von ihr geleiteten Ministerien nimmt sie massiv Einfluss auf die Besetzung von Funktionen in Forschung und Bildung. Es findet ein Austausch hin zu parteitreuen Kadern statt. Nur durch den enormen Protest der polnischen Frauen konnte das umfassendste Abtreibungsverbot abgeschwächt werden. Aber durch den starken Druck der Regierung und Teilen der katholischen Kirche auf die Ärzte wird die Hilfe für die Frauen de facto abgeschafft. Große Teile der Bevölkerung sehen die Gefahr einer neuen Parteidiktatur auf sich zukommen. Spuren der Auseinandersetzung kann man im Stadtbild nicht übersehen. Einige Mitglieder unserer Gruppe nahmen an einer Demonstration gegen die neuen Gesetze zur Umgestaltung des Rechtssystem teil. Mit diesen Gesetzen wäre die Unabhängigkeit der Richter und die Gewaltenteilung in einer Demokratie beseitigt.
Im Gespräch mit Bogna Czałczyńska (Kongres Kobiet Szczecin) und Adam Reimann(Komitee zur Verteidigung der De-mokratie, KOD) spürten wir den Ernst der Situation. Es sind keine Befürchtungen, es sind handfeste, greifbare Tatsa-chen, die den Umbruch manifestieren. Die konservativen Kräfte in der Regierung und, ja, auch in der katholischen Kirche lassen sich nicht beirren in ihrem Tun. Aus den derzeitigen Diffamierungen in den „Regime-Medien“, kann in Kürze mas¬sive Gewalt gegen Andersdenkende werden. Damit rechnen die Oppositionellen im Land.

Die wenigen Stunden, die wir in Szczezin/Stettin verbringen durften, eröffneten für mich ein neues Verständnis für die polnische Situation. Im Abschlussgespräch wurde nicht nur Betroffenheit vorgetragen. Es wurden Vorstellungen entwi¬ckelt, wie aus unserem Kreis heraus etwas für die Unterstützung der demokratischen polnischen Opposition getan werden könnte.

Um auf den Anfang zurück zukommen: In den wenigen Stunden, die wir in Szczezin/Stettin verbrachten, waren wir mittendrin, fühlten uns nicht als Außenstehende. Wir wurden erfasst von der Ent¬wicklung.

Danken möchte ich Karl-Georg Ohse vom Kirchenkreis Mecklenburg, Zentrum kirchlicher Dienste, der seit Jahren ein Synonym für das Projekt „Kirche stärkt Demokratie“ in der Nordkirche ist, und den Moderatoren Kristina Nauditt und
Gerd Wermerskirch vom ARGO-Team Berlin.

Gerhard Schneider

27.07.2017

"Starke Stücke" das Kirchenkino eröffnet mit "Toni Erdmann" in Kastorf

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Zum 6. Mal bringt die Reihe Starke Stücke Berührt und diskutiert emotional berührende und kontroverse Filme auf die Leinwand und ins offene Gespräch. Der Eröffnungsfilm, der preisgekrönte deutsche Streifen „Toni Erdmann“, läuft am 17. August um 19.30 Uhr in der Kirche Kastorf bei Neubrandenburg. Bis Anfang November wird zu insgesamt 21 Kinoabenden in ganz MV eingeladen.

 

So wie in Kastorf werden die Filme vor allem in alten Dorfkirchen gezeigt - auch um das kulturelle Angebot im ländlichen Raum zu stärken. „Die von den Kirchengemeinden aus einem eigens erstellten Kanon ausgewählten Filme beinhalten Themen, die uns und unsere Gesellschaft aktuell bewegen. Die Filme sollen unterhalten und ebenso einladen, eigene Positionen zu überdenken und im Gespräch miteinander den Blick zu weiten“, sagt der mecklenburgische Propst Dirk Sauermann und ergänzt: „Seien Sie herzlich eingeladen und bringen Sie Freunde und Bekannte mit.“ Einlass ist jeweils eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn. Anstelle eines Eintrittsgeldes wird um eine Spende zur Deckung der Kosten gebeten.

 

Veranstalter der Kino-Gesprächsreihe ist der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Mecklenburg, der dafür mit dem Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis, dem Projekt „Kirche stärkt Demokratie“ und der Filmland Mecklenburg-Vorpommern gGmbH kooperiert.

Unterstützt wird das Projekt vom Programm „Zusammenhalt durch Teilhabe“, dem Bankhaus Donner&Reuschel (Hamburg und München) sowie der Mecklenburgischen und Pommerschen Kirchenzeitung

Veranstaltungsübersicht:

Toni Erdmann                     Kirche Kastorf (17.08.) 19.30 Uhr;

                                               Kirche Rerik (18.08.) 19.30 Uhr; 

                                               Kirche Dreveskirchen (15.09) 19 Uhr;

                                               Pfarrhaus Marlow (20.10) 19 Uhr;

                                               Pfarrhaus Semlow (03.11) 19 Uhr

Gran Paradiso                    Kirche Klütz (24.08) 19.30 Uhr;

Philomena                           Kirche Bibow (25.08) 19.30 Uhr

Madame Mallory
und der Duft von Curry 
     Kirche Groß Nemerow (31.08.) 19.30 Uhr

 

In einer besseren Welt      Kirche Lärz (01.09) 19.30 Uhr;

                                                 Stadtkirche Penkun (26.10) 19 Uhr

Nikolaikirche                         Kirche Richtenberg (07.09) 19 Uhr

Familienbande                      Pfarrscheune Wattmannshagen (08.09) 19 Uhr

Neben den Gleisen               Kirche Körchow (14.09) 19 Uhr

Troubled Water                     Kirche Friedrichshagen (21.09) 19 Uhr

Honig im Kopf                        Kirche Siggelkow (22.09) 19 Uhr

Stilles Land                            Kapelle Alt Pansow (28.09) 19 Uhr

Das Mädchen Wadja            Kirche Bibow (29.09) 19 Uhr

Rabbi Wolf                              Kirche Züssow (12.10) 19 Uhr

Welcome to Norway            Kirche Kladow (13.10.) 19 Uhr;

                                                  Kirche Uelitz (19.10.) 19 Uhr

Am Sonntag bis Du tot        Heiligengeist Kirche Rostock (2. November) 19 Uhr

17.03.2017

Norddeutschland, der NSU und rechter Terror – Ein Kurzfilm

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Der Brandanschlag von Mölln, die ungesühnten Morde an zehn Bewohner_innen des Flüchtlingsheims in der Lübecker Hafenstraße 1996, der Mord des NSU in Hamburg-Altona und die Frage nach Unterstützernetzwerken des NSU-Kerntrios in Norddeutschland stehen im Mittelpunkt. Über den NSU-Komplex, und rechten Terror kann man nicht reden, ohne die in Norddeutschland fest verankerten neonazistischen Netzwerke und institutionellen Rassismus und dessen Auswirkungen zu benennen. Der Kurzfilm wirft ebenso einen Blick auf jene gesellschaftlichen Diskurse, die vor Ort zu einer Entsolidarisierung mit den Betroffenen alltäglicher rechter Gewalt beitragen.

Zu Wort kommen Überlebende und Angehörige, Gedenkinitiativen und antifaschistische Rechercheprojekte sowie ein Nebenklagevertreter im Münchner NSU-Prozess. Sie sprechen über Aufklärungsblockaden – nicht nur im NSU-Komplex, die Praxis der Strafverfolgungsbehörden, die Forderungen der Betroffenen und die notwendige Konsequenzen in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit rassistischer Gewalt.

Der Film entstand im Rahmen des Hearings zu Rassismus, NSU und Justiz „Norddeutschland, der NSU und rechter Terror“ am 4. November 2016 in Hamburg.