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15.08.2017

"Toni Erdmann" Kino in Kirche Derveskirchen

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"Starke Stücke" präsentiert "Toni Erdmann" am 15. September in der Kirche zu Dreveskirchen


Winfried ist ein 65-jähriger, einfühlsamer Musiklehrer mit Hang zu Scherzen, der mit seinem alten Hund zusammenlebt. Seine Tochter Ines hingegen ist das Gegenteil: Als ehrgeizige Unternehmensberaterin reist sie um die Welt und von einem Projekt zum nächsten, um die Karriereleiter steil nach oben 
zuklettern. Vater und Tochter bekommen sich daher nicht oft zusehen, aber das wird schlagartig anders, als Winfrieds Hund stirbt und er daraufhin beschließt, Ines unangekündigt bei der Arbeit in Bukarest zu besuchen.
Wegen seiner Witze und der unterschwelligen Kritik an ihrem Lebensstil kracht es schon bald zwischen den beiden. Und dann verwandelt sich Winfried auch noch in sein anderes Ich Toni Erdmann: das Gebiss ist schief, der Anzug schlecht und auf dem Kopf sitzt eine Perücke. Der schräge Vogel behauptet, Personalcoach zu sein, bringt Ines vor ihren Kollegen in einige peinliche Situationen – aber die Ver
kleidung sorgt auch dafür, dass sie und ihr Vater sich an nähern. Der Film gewann auf dem Filmfestival
in Cannes 2016 den Preis der internationalen Filmkritik.

Toni Erdmann

Deutschland / Österreich / Monaco 2014-2016,

Regie: Maren Ade
Drehbuch: Maren Ade
Kamera: Patrick Orth
Schnitt: Heike Parplies
  
Darsteller: 
Peter Simonischek: Winfried Conradi / Toni Erdmann
Sandra Hüller: Ines
Michael Wittenborn: Henneberg
Thomas Loibl: Gerald
Trystan Pütter: Tim
Hadewych Minis: Tatjana
Lucy Russell: Steph
Ingrid Bisu: Anca
Vlad Ivanov: Iliescu
Victoria Cocias: Flavia

Einlass ist eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn.
Anstelle eines Eintrittsgeldes wird um eine Spende zur Deckung der Kosten gebeten.

07.08.2017

Kreuz ohne Haken – Die Kirche und die Rechten: ARD, 04.09.2017, 23:45 Uhr

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Neonazis erstürmen in Dortmund kurz vor Weihnachten den Turm der Reinoldi-Kirche im Zentrum der Stadt. Oben feuern sie Leuchtraketen ab und hängen ein islamfeindliches Banner auf: eine bewusste Provokation. Die Bilder verbreiten sich rasch. Sie stehen symbolisch für einen Konflikt, der die beiden christlichen Kirchen beschäftigt wie seit vielen Jahren kein Thema mehr, die Auseinandersetzung mit den Rechten.

Durch ihre klare Position in der Flüchtlingsfrage haben sich die Kirchen Feinde gemacht und sind Angriffen von Rechts ausgesetzt. Beleidigungen, Morddrohungen, Körperverletzung – das ist der Preis, den viele Pfarrerinnen, Pastoren und Priester für ihr Engagement für Flüchtlinge bezahlen müssen. Wie gehen die Kirchen mit dieser Situation um? Und was bedeuten solche Angriffe für die betroffenen Geistlichen und ihre Vorgesetzten?
Kirche und Politik

Kurz vor der Bundestagswahl wird diese Frage besonders wichtig. Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte könnte eine rechte Partei in den Bundestag einziehen. Kirchen sind auch da, um den Menschen Antworten zu geben. Aber welche Antwort geben sie auf die erstarkte Rechte in Deutschland? Und wie politisch darf Kirche überhaupt sein?
Durch das Aufkommen der AfD hat sich das gesellschaftliche Klima verändert. "Es gibt auf allen Ebenen eine Verschiebung. Rechte Kräfte sind stärker geworden. Und das spüren alle, auch die Kirche.", meint der katholische Politikwissenschaftler Andreas Püttmann.
Der schwierige Umgang mit Rechts

Was erleben Geistliche, die sich schon seit Jahren im Kampf gegen Rechts engagieren? Wie umgehen mit rechten Christen, die in die AfD eingetreten sind? Und wer steckt hinter der Kirchturmbesetzung in Dortmund?

Ein Film über die Kirche im Kreuzfeuer rechter Extremisten und Populisten – und ihre Suche nach Antworten.

Der Film von Dominique Klughammer und Stefan Suchalla läuft am 4. September 2017 um 23:45 Uhr

01.08.2017

Licht und Schatten in Stettin

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Mit „Kirche stärkt Demokratie“ auf Bildungsfahrt.

Ein Teilnehmer berichtet.

Im Rückblick auf die Wende 1989/90 denke ich oft, wie hat ein Außenstehender, jemand aus einem anderen Land, unsere damalige Gegenwart empfunden. Konnte er die Spannung, das Mittendrinsein , die Betroffenheit erfassen, in seiner geschichtlichen Dimension?
Mit anderen Teilnehmern des Seminars „Kirche stärkt Demokratie“ war ich am Wochenende 21./23.Juli 2017  in Szczecin/Stettin. Das Programm verlangte  von uns eine intensive Teilnahme. Nur Zuschauen, nur Zuhören ging gar nicht. In Szczecin/Stettin, einer Stadt, in der fast jede Gehwegplatte, jeder Gullydeckel deutsch-polnische, europäische Geschichte atmet, reicht äußere Anteilnahme nicht aus. Wir waren mittendrin in einer umbrechenden Gesellschaft.

Falko Reichard, vom Stettiner Bonhöffer-Zentrum brachte in einer Stadtwanderung Architektur und Geschichte in einen Jahrhunderte übergreifenden Kontext. Polen war oftmals gespalten und aufgeteilt durch seine europäischen Nachbarn aus Deutschland und Russland. Erst seit dem letzten Jahrhundert kann es sich zu einem eigenständigem Volk und Staat entwickeln. Die sich gegenseitig zugefügten Wunden sehen oberflächlich geheilt aus. Doch Volk und Staat fühlen sich noch im¬mer nicht so respektiert, wie es das erwartet. Wir liefen nicht nur einfach durch die Straßen, wir konnten Teile des pol¬nisch-deutschen Lebens mitfühlen, das Miteinander und Gegeneinander. Ich spürte den Phantomschmerz, bemerkte, dass manchmal ein politisches Heilpflaster benutzt wurde. Szczecin/Stettin ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie schwierig und schmerzhaft es ist, Geschichte zu verarbeiten.

In unserem Seminar setzen wir uns auch mit der Immigration und dem Minderheitenschutz auseinander. Der Sprecher des Rates der nationalen Minderheiten in Stettin, der Ukrainer Jan Syrnyk brachte uns sehr eindringlich die derzeitige mehr als schwierige Lage der Minderheiten nahe. Sein Vortrag ging weniger der aktuellen Flüchtlingsproblematik nach, sondern dem sehr kritischen Zusammenleben der gesamten Bevölkerung Polens. Die von ihm vertretenen Minderheiten leben meistenteils schon in der vierten Generation im Land. Wir erfuhren, wie ihre Möglichkeiten von der jetzigen Regierung eingeschränkt werden.

Es sind ernste Zeiten in Polen, das entnehmen wir auch den deutschen Medien. Die von der Mehrheit gewählte Regierung baut das Land um. Gewählt, aus dem berechtigten Wunsch vieler Wähler, soziale Verhältnisse zu ändern, legt die Regierungspartei massiv Hand an die Grundpfeiler der demokratischen Gesellschaft. Die PiS hat die öffentlich-rechtlichen Me¬dien in parteitreue Institutionen umgewandelt. Über die von ihr geleiteten Ministerien nimmt sie massiv Einfluss auf die Besetzung von Funktionen in Forschung und Bildung. Es findet ein Austausch hin zu parteitreuen Kadern statt. Nur durch den enormen Protest der polnischen Frauen konnte das umfassendste Abtreibungsverbot abgeschwächt werden. Aber durch den starken Druck der Regierung und Teilen der katholischen Kirche auf die Ärzte wird die Hilfe für die Frauen de facto abgeschafft. Große Teile der Bevölkerung sehen die Gefahr einer neuen Parteidiktatur auf sich zukommen. Spuren der Auseinandersetzung kann man im Stadtbild nicht übersehen. Einige Mitglieder unserer Gruppe nahmen an einer Demonstration gegen die neuen Gesetze zur Umgestaltung des Rechtssystem teil. Mit diesen Gesetzen wäre die Unabhängigkeit der Richter und die Gewaltenteilung in einer Demokratie beseitigt.
Im Gespräch mit Bogna Czałczyńska (Kongres Kobiet Szczecin) und Adam Reimann(Komitee zur Verteidigung der De-mokratie, KOD) spürten wir den Ernst der Situation. Es sind keine Befürchtungen, es sind handfeste, greifbare Tatsa-chen, die den Umbruch manifestieren. Die konservativen Kräfte in der Regierung und, ja, auch in der katholischen Kirche lassen sich nicht beirren in ihrem Tun. Aus den derzeitigen Diffamierungen in den „Regime-Medien“, kann in Kürze mas¬sive Gewalt gegen Andersdenkende werden. Damit rechnen die Oppositionellen im Land.

Die wenigen Stunden, die wir in Szczezin/Stettin verbringen durften, eröffneten für mich ein neues Verständnis für die polnische Situation. Im Abschlussgespräch wurde nicht nur Betroffenheit vorgetragen. Es wurden Vorstellungen entwi¬ckelt, wie aus unserem Kreis heraus etwas für die Unterstützung der demokratischen polnischen Opposition getan werden könnte.

Um auf den Anfang zurück zukommen: In den wenigen Stunden, die wir in Szczezin/Stettin verbrachten, waren wir mittendrin, fühlten uns nicht als Außenstehende. Wir wurden erfasst von der Ent¬wicklung.

Danken möchte ich Karl-Georg Ohse vom Kirchenkreis Mecklenburg, Zentrum kirchlicher Dienste, der seit Jahren ein Synonym für das Projekt „Kirche stärkt Demokratie“ in der Nordkirche ist, und den Moderatoren Kristina Nauditt und
Gerd Wermerskirch vom ARGO-Team Berlin.

Gerhard Schneider