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06.03.2017

Reformationsausstellung im Zentrum Kirchlicher Dienste Luthers schwieriges Verhältnis zu den Juden im Fokus

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Vom 6. bis 28. März 2017 widmet sich die Ausstellung „Ertragen können wir sie nicht“ im Zentrum Kirchlicher Dienste Mecklenburg (Alter Markt 19 in Rostock) der vermutlich dunkelsten Seite Martin Luthers. „Wir wollen damit einen Beitrag zu einer bis heute schmerzlichen Seite der Reformation im Jubiläumsjahr leisten“, blickt Ökumene-Pastor Tilman Jeremias voraus.

Rückblende: In seinen Spätschriften beschimpfte Luther die Juden wüst und rief dazu auf, Synagogen anzuzünden. Wie konnte es zu dem radikalen Antijudaismus Luthers kommen? Welche fatalen Auswirkungen hatte dieser? Diesen und weiteren Fragen geht die Exposition auf den Grund. Erstellt wurde die Schau von Hanna Lehming, Beauftragte für den Christlich- Jüdischen Dialog der Nordkirche im Zentrum für Mission und Ökumene.

Einladung zu Vernissage und Themenabend

Geöffnet ist die neue Ausstellung montags bis freitags von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr. Die Vernissage ist am heutigen Montag (6. März um 18 Uhr). Gast ist die Ausstellungsmacherin Hanna Lehming. Darüber hinaus wird am Donnerstag, 16. März, um 19 Uhr zum Themenabend  „Christlich-Jüdischer Dialog heute angesichts der antijüdischen Ausfälle Luthers“ eingeladen. Gestaltet wird dieser von Tilman Jeremias, Pastor für Mission und Ökumene im Kirchenkreis.


Quelle: ELKM (tij/cme)

06.03.2017

Karl-Georg Ohse im Gespräch Kirche stärkt Demokratie

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Die neuen Kirchengemeinderäte sind gewählt. Angenommen, nun stellt sich heraus: Zwei Mitglieder vertreten rassistische Positionen. Was nun? Oder: Eine Gemeinde wird von einem lokalen Bündnis gebeten, sich an einer Demo gegen Neo-Nazis zu beteiligen. Es gibt heftige Diskussionen in der Gemeinde. Mit solchen und ähnlichen Fragen kommen Menschen zu den Seminaren des Fortbildungs- und Vernetzungsprojektes „Kirche stärkt Demokratie“. Marion Wulf-Nixdorf sprach mit Projektleiter Karl-Georg Ohse.

Wulf-Nixdorf: Herr Ohse, was sagen Sie von „Kirche stärkt Demokratie“ Menschen mit solchen konkreten Fragen?

Ohse: Unser Angebot besteht in Beratung, Fortbildung und Vermittlung von Beratungsangeboten wie zum Beispiel den Regionalzentren oder der Opferberatung. Ich oder ehrenamtliche ausgebildete Multiplikatoren kommen auf Anfrage gern in die Gemeinde und suchen gemeinsam eine Lösung. Wir analysieren die Situation, sehen, welche Möglichkeiten die Gemeinde in sich selber hat. Wir fragen, wie die politischen und sozialen Bedingungen vor Ort sind. Welche Rolle spielt die Kirchengemeinde in der Öffentlichkeit? Wird sie als politischer Faktor wahrgenommen? Wenn ja, klären wir Möglichkeiten des Engagements, zum Beispiel: Brauchen wir ein Argumentationstraining oder eine Fortbildung? Initiieren wir ein Projekt oder brauchen wir eine andere Form der Öffentlichkeitsarbeit?

Was passiert in den Fortbildungen?

Die Teilnehmer, die zu uns kommen, haben das Problem ja schon erkannt. Oft fehlt ihnen das Handwerkszeug. Die Fortbildungen vermitteln zum Beispiel Moderation in Konflikten, theologische Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus; Wie kann ich mich vernetzen?, Wie kann ich vor Ort Menschen mit ins Boot holen, um gegen Rassismus vorzugehen. Dazu ist es gut zu wissen, wie Kommunalpolitik funktioniert: Wie kann ich den Bürgermeister, die Feuerwehr, den Sportverein gewinnen?

„Kirche stärkt Demokratie“. Das ist eine Aussage im Namen. Ist das – hoffentlich – so?

Dieser Projekttitel ist Anspruch und Provokation zugleich. Die Evangelische Kirche ist eine der größten Akteure in unserer Gesellschaft. Auch wenn wir in MV oft denken, dass wir so wenige sind und kaum wahrgenommen werden: Das stimmt nicht. Wir sind im Land flächendeckend präsent. Menschen, gerade auch die, die wenig mit Kirche zu tun haben, erwarten von uns, dass wir uns für eine demokratische und solidarische Gesellschaft einsetzen, dass wir dazu beitragen, dass Werte wie Menschenwürde, Solidarität und Freiheit erhalten bleiben. In den kirchenleitenden Gremien nehme ich da eine klare Positionierung für eine offene Gesellschaft wahr, die allerdings nicht immer von allen an der Basis geteilt wird. Deshalb unser Engagement an der Basis!

Die Fortbildung „Kirche kann Demokratie“ startet im März. Kann sie? Was wird in dieser neuen Fortbildungsreihe vermittelt? An wen richtet sie sich?

Die kostenfreie Fortbildung ist offen für alle Ehren- und Hauptamtlichen – egal ob Kirche oder nicht – die sich für mehr Demokratie in ihren Gemeinden engagieren und andere dabei unterstützen wollen. 2017 sind das vier Wochenenden und eine Bildungsfahrt nach Stettin (siehe INFO unten). Im Mittelpunkt stehen die Fragen der Teilnehmer und ihre eigene Position im Ort. Dazu kommen handwerkliche Methoden wie Projektmanagement, Konfliktmoderation und interkultureller Dialog. Wir sind froh, dass das Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ das Projekt und die Fortbildungen unterstützt.

Wer schult die Teilnehmer der Fortbildungen?

Wir haben Profis mit langjähriger Erfahrung in Rechtsextremismusprävention und interkultureller Arbeit aus Berlin, das „ARGO“-Team. Wir Hauptamtlichen von „Kirche stärkt Demokratie“, ab 1. April von Greifswald aus Arne Kühn, und ich begleiten die Teilnehmer auch zwischen den Seminaren.

Hat der Rechtspopulismus irgendwo in unseren Kirchengemeinden wirklich Fuß gefasst?

Ich beobachte, dass es auch unter Christen Menschen gibt, die in sehr einfachen Freund- Feind-Bildern denken und agieren. Ihr da oben – wir da unten; Wir Deutschen – Ihr Fremden. Ich sehe, dass es dazu auch in unseren Kirchengemeinden einen Diskussionsbedarf gibt. Das Forum „Kirche und Rechtsextremismus im Norden“, das vom 23. bis 24. Juni in Parchim unter dem Thema „Dialog und Position – Was brauchen wir in der politischen Auseinandersetzung?“ stattfindet, stellt sich auch diesen Fragen.


Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 05/2017

INFO

Karl-Georg Ohse, 54, studierte Theologie und Sozialpädagogik. Seit 2011 leitet er das Projekt „Kirche stärkt Demokratie“, das bis zur Nordkirchenfusion 2012 zur mecklenburgischen Landeskirche gehörte, dann an die Nordkirche ging und seit 1. Januar 2017 in Trägerschaft des Kirchenkreises Mecklenburg ist und für den Sprengel MV arbeitet. Ab 1. April wird Arne Kühn das Projekt von Greifswald aus mit einer halben Stelle unterstützen.

Die Fortbildung „Kirche kann Demokratie“ ist am 24. bis 26. März in Alt Schwerin; 19./20.Mai in Bröllin; 15./16.September in Alt Schwerin und am 13./14. Oktober in Plau am See, bis auf das erste jeweils von Freitag 16 Uhr bis Sonnabend 16 Uhr. Die dreitägige Bildungsfahrt nach Stettin ist für Juli geplant. Die Seminare können auch einzeln gebucht werden. Infos und Anmeldung über www.kirche-demokratie.de; E-Mail: karl-georg.ohse@elkm.de, Tel.: 0157 58512699.

06.03.2017

Erzbischof Koch warnt Christen vor Populismus

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Christliche Nächstenliebe hört nicht vor der eigenen Haustür auf – zur Eröffnung der Berliner Woche der Brüderlichkeit hat der Berliner Erzbischof Heiner Koch fremdenfeindliche und populistische Tendenzen in der Kirche verurteilt. Auch Klaus Lederer fand deutliche Worte.

Das Eigene unterschiedslos über das Fremden zu stellen, gehe an allem vorbei, was Jesus vorgelebt habe, sagte der Erzbischof zur Eröffnung der 65. Berliner Woche der Brüderlichkeit. "Wer Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, die Angst vor Flüchtlingen oder den Hass auf religiös Andersdenkende schürt, hat den Boden des Christentums, den Boden jeglicher Religion und Humanität längst verlassen."
infos im netz

Sich nicht in unserer 'Wohlfühlzone' einrichten

Die diesjährige Woche der Brüderlichkeit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit steht unter dem Motto "Nun gehe hin und lerne". Koch betonte, Populismus bestehe in der Überzeugung, "dass man vom anderen nichts mehr zu lernen braucht, nichts mehr von ihm lernen kann, weil man schon alles oder doch das Wesentliche längst weiß". Zugleich sprach sich Koch für einen stärkeren interreligiösen Dialog aus: "Mindestens genauso wichtig wie das Lernen über die eigenen religiöse Tradition ist in unserer Gegenwart das Lernen, das Kennenlernen anderer religiöser Traditionen."

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sagte in seinen Grußworten, angesichts eines aufkommenden Populismus müssten demokratische Werte verteidigt werden. "Wir dürfen uns nicht in unserer 'Wohlfühlzone' einrichten", so Lederer, das sei extrem gefährlich.

Die zentrale Eröffnungsfeier der bundesweiten "Woche der Brüderlichkeit" fand am Sonntag in Frankfurt am Main statt. Im Mittelpunkt des Festakts in der Paulskirche stand die Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an die Konferenz Landeskirchlicher Arbeitskreise Christen und Juden.

In den kommenden Wochen sind zahlreiche Veranstaltungen geplant, darunter Vorträge, Stadtführungen, Ausstellungen, Lesungen, Gottesdienste und Workshops.

 

Quelle: rbb