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20.06.2018

Filmtipp: Die Todesliste des NSU

Photo Quelle: ZDF

Ein Film von Rainer Fromm, ZDF, 20.06.2018, 22:45 - 23:15

Im Brandschutt der Wohnung von Beate Zschäpe fand die Polizei eine umfangreiche Adresssammlung, die später unter dem Namen "10 000er Liste" oder "Todesliste des NSU" in den Ermittlungsakten erwähnt wird.

Seit fünf Jahren läuft mittlerweile der Prozess gegen Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte in München. Doch bis heute ist völlig ungeklärt, was es mit dieser Liste auf sich hat. Und vor allen Dingen ist eine Frage bis heute nicht beantwortet: Wer hat diese umfangreiche Liste erstellt?

Anwälte der Opfer und auch Politiker aus dem Untersuchungsausschuss bezweifeln, dass diese Liste allein von den verstorbenen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos geschrieben wurde. Vielmehr glauben sie, dass der NSU eine Vielzahl von Helfern gehabt haben muss.

Opferanwalt Yavus Narin geht mit den Ermittlungsbehörden hart ins Gericht: "Wir wissen weder wie groß der NSU war, noch wissen wir, wer den NSU unterstützt hat. Und viele Fragen hätten die Behörden durch anständige kriminalistische Arbeit und durch weniger Borniertheit lösen und erklären können."

Auch Opferanwalt Sebastian Scharmer erhebt Vorwürfe: "Wir wissen von keinen gezielten Vernehmungen, von keinen gezielten Ermittlungen, die das Netzwerk NSU hätten erhellen sollen."
Nach Ansicht vieler Experten ist der NSU-Komplex noch lange nicht ausermittelt.

Quelle und weitere Informationen: ZDF

20.06.2018

Herzlichen Glückwunsch! Niedersächsischer Pastor erhält Paul-Spiegel-Preis 2018

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Der niedersächsische Pastor Wilfried Manneke erhält in diesem Jahr den Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage des Zentralrats der Juden in Deutschland. Die Preisverleihung fand vor zwei Tagen in Hannover statt.

Pastor Manneke engagiert sich seit 1995 gegen Rechtsextremismus. Damals schloss er sich dem „Arbeitskreis gegen Hetendorf 13“ an, der sich gegen ein Neonazi-Schulungszentrum richtete. 2009 gehörte der evangelische Pfarrer zu den Gründern des „Netzwerks Südheide gegen Rechtsextremismus“. Mit rund zehn weiteren aktiven Mitgliedern sowie 500 Unterstützern kämpft das Netzwerk seitdem gegen Rechtsextremisten in Niedersachsen.

Darüber hinaus zählte Pastor Manneke 2010 auch zu den Gründern der Initiative „Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“ der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers, die ebenfalls seit Jahren mit intensiver Aufklärung und vielen Aktionen gegen Rechtsextremismus kämpft. Seit kurzem ist Pastor Manneke Vorsitzender des Sprecherrats der Initiative.

„Pastor Manneke beweist mit seinem außergewöhnlichen Engagement Mut und Beharrlichkeit“,  erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster. „Obwohl er persönliche Anfeindungen ertragen muss und bereits Anschläge auf ihn und seinen Wohnort verübt wurden, lässt sich Pastor Manneke nicht einschüchtern. Er und seine Mitstreiter zeigen ebenso wie die evangelische Landeskirche Hannovers einen herausragenden Einsatz zum Schutz von Minderheiten und für unsere Demokratie. Mit seiner Zivilcourage ist Pastor Manneke für uns alle ein Vorbild.“

Der Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage wird seit 2009 vom Zentralrat der Juden in Deutschland in Erinnerung an seinen früheren Präsidenten Paul Spiegel sel. A. und dessen unermüdliches Engagement gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sowie für eine starke Bürgergesellschaft vergeben. 2016 erhielt der Verein „Gesicht Zeigen!“ den Preis. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Mehr zu Wilfried Manneke

Quelle: Presseerklärung des Zentralrates der Juden in Deutschland

19.06.2018

„Wir müssen uns schmutzig machen!“ 5. Forum „Kirche und Rechtsextremismus im Norden“ diskutiert über Rechtsexpopulismus und Kirche

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Seit fünf Jahren treffen sich Engagierte aus der Nordkirche zum „Forum „Kirche und Rechtsextremismus im Norden“. In diesem Jahr stand die Tagung, die vom 13. Bis 14. Juni in Hamburg stattfand, im Schatten der Wahlerfolge rechtspopulistischer Parteien in Europa und einer zunehmenden politischen Radikalisierung.
Welche Antworten hat Kirche auf die „Sorgen und Nöte“ der Wutbürger, auf die Abschottungspolitik gegenüber weltweiten Fluchtbewegungen und die Hetze im digitalen und analogen Raum?
In einem Streitgespräch am ersten Tag wurde deutlich, dass sich der theologisch-ethische Anspruch der Nächstenliebe und Gerechtigkeit im Gemeindealltag nicht immer wiederspiegelt. Prof. Dr. Rainer Anselm, Vorsitzender der Kammer für öffentliche Verantwortung der EKD forderte, dass Kirche sich den berechtigten Ängsten zuwenden müsse und Räume für die Auseinandersetzung gesellschaftlicher Fragen gestalten muss. Dagegen betonte der Praktische Theologe Prof. Hans-Martin Gutmann, dass Kirchen Rassismus und Menschenfeindlichkeit benennen und die globale Dimensionen von zerstörerischer Wirtschaftsweise thematisieren müssen. Petra Huse, Pastorin in Anklam erdete mit ihren Erfahrungen die Diskussion und beschrieb das Spannungsfeld zwischen Seelsorge und ethischen Imperativen. Der Rückzug aus den dünnbesiedelten Regionen öffne die Räume für Rechtsextremismus und verstärke Demokratieverdrossenheit und Fremdenangst.
Der Film „Neben den Gleisen“ von Dieter Schumann und Michael Korkut, die Einheimische und Geflüchtete in einem Bahnhofskiosk 2015 begleitete, warf die Frage auf, ob Kirchengemeinden sich nicht von einigen sozialen Milieus  entkoppelt haben und in ihrer eigenen „Blase“ gefangen sind.
Henning Flad, Projektleiter der Bundesarbeitsgemeinschaft „Kirche und Rechtsextremismus“ eröffnete den zweiten Tag mit einem Lagebild zur „Neuen Rechten“, die inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Das Schweigen zu, aber auch das Bagatellisieren von gesellschaftlichen Missständen würde Rechtspoplisten in die Hände spielen. Die anschließende Diskussion drehte sich um die Frage, wie Gemeinden und Kirchenleitungen Räume für den gesellschaftlichen Diskurs öffnen und gestalten können. Dabei werden wir „uns auch die Hände schmutzig machen müssen.“ Diese Fragen werden nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Veranstalter des Forums weiterhin begleiten.

Das Forum „Kirche und Rechtsextremismus im Norden“ ist eine gemeinsame Veranstaltung von Evangelischer Akademie, „Kirche stärkt Demokratie“, dem Rechtsextremismusbeauftragten des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, der Gedenkstätte Martin-Luther-Kirche Lübeck und der Arbeitsstelle Ökumene - Menschenrechte - Flucht – Friedensbildung. Das Forum wird durch die Nordkirche, den ESF und das Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ gefördert.

Akademiedirektor Kaiser moderiert das Podiumsgespräch zwischen den Professoren Anselm und Gutmann und Pastorin Huse (v.links)