
„Die Würde des Menschen ist unantastbar!“
Diese Kernaussage des Grundgesetzes steht für die Arbeit von „Kirche stärkt Demokratie“. „Kirche stärkt Demokratie“ bietet seit 2011 qualifizierte Fortbildungen und Beratungen für Ehren- und Hauptamtliche. Unsere Angebote befähigen Menschen aus Kirchengemeinden in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rassismus und demokratiefeindlichen Einstellungen. Darüber hinaus beraten wir Mitarbeiter*innen und Ehrenamtliche aus Kirchengemeinden im Umgang mit menschenfeindlichen Haltungen, geben Anregungen für die Umsetzung lokaler Dialoge und die Öffnung von Kirchengemeinden zu anderen Akteuren im Ort.
Aktuelles & Bilder

"Esthers Spuren" Eine Lesereise durch Mecklenburg-Vorpommern
Vom 19. bis 23. Mai 2025 unternimmt der junge Autor Benet Lehmann mit seiner Biografie über Esther Bejarano eine Lesereise durch Mecklenburg-Vorpommern. An den Vormittagen besucht er Schulen, am Abend stellt er sein Buch in verschiedenen Kultureinrichtungen vor.
Benet Lehmann ist eine bemerkenswerte Beschreibung des Lebenswegs der Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano gelungen und spiegelt diesen auch an aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen. Sehr lesenswert und sicher noch einmal ein besonderes Erlebnis, den Autor selbst zu hören.
Termine:
Mo 19. Mai, 19:00 Uhr in der Alten Synagoge Hagenow, Hagenstr. 48
Di 20. Mai, 18:00 Uhr im Schabbell-Haus, Wismar, Schweinsbrücke 6/8
Mi 21. Mai, 19:00 Uhr im Kulturquartier Neustrelitz, Schloßstr. 12/13
Do 22. Mai, 19:00 Uhr in der Synagoge Stavenhagen, Malchiner Str. 40
Veranstalter: Beauftragter für das jüdische Leben und gegen Antisemitismus M-V

Demo und Kundgebung am 15.3.2025 um 12.00 Uhr "Schirm auf für ALLE"
Das Aktionsbündnis "Schwerin für ALLE - friedlich, demokratisch und weltoffen" lädt alle Demokratinnen und Demokraten aus Schwerin und aus dem ganzen Land zu einer Demonstration und Kundgebung am kommenden Samstag, den 15.03.2025. unter dem Motto "Schirm auf für ALLE" ein. Start ist um 12.00 Uhr auf dem Platz vor der Staatskanzlei in der Schloßstraße.
Anlass der Aktion ist ein Treffen der Reichsbürgerbewegung auf dem Schweriner Alten Garten, dem zentralen Platz des Schweriner Residenzensembles, das 2024 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde.
Das "Große Treffen der 25+1 Bundesstaaten" ist ein Treffen von Reichsbürgern aus dem gesamten Bundesgebiet und findet nach Magdeburg, Dresden, Gera und München zum fünften Mal, diesmal in Schwerin, statt. Reichsbürger erkennen die demokratische Bundesrepublik nicht als souveränen Staat an und propagieren die Rückkehr zu einer Monarchie in den Grenzen des Deutschen Reiches einschl. Elsass-Lothringen. Aufgeführt wird ein harmlos erscheinendes Spektakel, bei dem selbsternannte Vertreter der angeblich noch existierenden Bundesstaaten mit Fahnen und Wappenschilden aufmarschieren. Erwartet werden bis zu 1000 Teilnehmer.

Angst löst keine Probleme
Evangelische Kirche in Deutschland wirbt um eine Haltung der abwägenden Vernunft.
Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat angesichts polarisierender Debatten der Politik dazu geraten, Angstmacherei entgegenzutreten und mehr auf Kompromisse zu setzen.
Vor dem Hintergrund wachsender weltpolitischer, ökologischer und gesellschaftlicher Bedrohungen sähen Menschen sorgenvoll in die Zukunft, heißt es in einem am Mittwoch in Hannover veröffentlichten Papier. Ängste und Sorgen seien verständlich. Solche Empfindungen mache sich populistische Politik aber „zunehmend zunutze“.
Sie schüre diese Ängste „mit einer leicht eingängigen und dabei bisweilen ausgeprägt menschenfeindlichen Rhetorik und Schreckensszenarien, die das Ziel haben, zu verunsichern und das Vertrauen in die Demokratie zu erschüttern“, heißt es im Vorwort des Papiers. In fünf Thesen gibt der Rat der EKD Empfehlungen, wie man sich davon abgrenzen könne, etwa durch Vertrauen und Mut, einen vorurteilsfreien Blick auf Menschen und das Aushandeln von Kompromissen, statt auf Maximalforderungen zu beharren.
Die EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs erklärte, Demokratie müsse täglich neu verteidigt und gestaltet werden. „Das bedeutet, Unterschiede auszuhalten, Kompromisse zu suchen und Verantwortung zu übernehmen“, sagte sie. Demokratie sei nicht perfekt, „aber sie ist der beste Weg, den wir haben, um als Gesellschaft miteinander in Frieden zu leben“, sagte die Hamburger Bischöfin.
Der stellvertretende Ratsvorsitzende Tobias Bilz sagte, eine größer werdende Bevölkerungsgruppe in Ostdeutschland fühle sich im Blick auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten und Zukunftsperspektiven benachteiligt. „Wenn die Perspektiven negativ sind, schwindet die Bereitschaft, die bestehenden Verhältnisse zu verteidigen“, sagte der sächsische Landesbischof. Darüber müsse gesprochen werden.
Quellen. epd / EKD

Prüfen und abwägen. Ein paar Tools zur Bundestagswahl
Hier finden Sie eine Zusammenstellung verschiedener Wahlentscheidungshilfen für die Bundestagswahl 2025. Die Benutzung dieser Tools ersetzt natürlich nicht das eigene kritische Prüfen und Vergleichen von Wahlprogrammen - und ausssagen der Parteien. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Der "Klassiker" Wahl-o-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung:
Der Wahlkompass: Etwas differenzierter, als der Wahl-O-Mat. Allerdings sind kaum kleine Partein auswählbar.
Der Votesswiper. Sehr geeignet für Smartphones
WAHLTRAUT funktioniert wie der Wahl-O-Mat, setzt jedoch den Fokus auf feministische und gleichstellungspolitische Themen.
Mit Wischen zum Ergebnis kommen.
Der Real-o-Mat trifft Wahlentscheidungen aufgrund von tatsächlichem Abstimmungsverhalten der Parteien,
Auf der Website https://btw25.deinwal.de/home können Sie Abstimmungen der letzten Legislaturperiode nachspielen.
Auf https://www.smartsteuer.de/online/steuer-o-mat/start/ stehen Wirtschaft und Steuern im Mittelpunkt
Das Thema Digitalpolitik wird auf https://bitkomat.de/2025-bund/ in Hinblick auf die Wahl thematisiert.

Das 12. Forum "Kirche und Rechtsextremismus findet vom 16. bis 17. Mai in Lübeck statt.
„Prüfet alles, vergesst nicht das Böse“ - Rassistische und rechte Gewalt - und wie sie zu überwinden ist“
Die deutsche Geschichte und Gegenwart ist auch eine Geschichte von rassistischer Diskriminierung und von rechtsextremer Gewalt. Auch vor unseren Kirchentüren machen Ausgrenzung, Abwertung von Autoritarismus nicht Halt.
Das 12. Forum „Kirche und Rechtsextremismus im Norden“ findet vom 16.-17. Mai 2025 in Lübeck statt. In Zeiten verschärfter Abschottungs- und Identitätsdebatten werfen wir einen selbstkritischen Blick auf den Einfluss rechtsextremer Diskurse und rassistischer Kontinuitäten auf Kirche und Gesellschaft. Parallel zum Forum findet in der Lübecker Marienkirche die Ausstellung „Rechte Gewalt seit 1945 in Hamburg und Lübeck“ statt. Sie auch teil des Programms.
Mit:
Andreas Speit, Journalist und Autor, Hamburg
Sarah Vecera, Autorin des Buches „Wie ist Jesus weiß geworden“
Nicolas Moumouni, Referent für interkulturelle Kirchenentwicklung
Daniela Konrädi, Referentin für ökumenische Bildungsarbeit, Breklum
Ursula Wältring, Visionssucheleiterin und initiatische Prozessbegleiterin, Rheine
Aussteigerhilfe Schleswig-Holstein
Anmeldung bis zum 4.Mai 2025

"Wie hältst Du es mit Religion?" Wahlaussagen der Parteien zu Kirche und Religion
Die Wahlprogramme der Parteien zu Kirche
Feiertage, Religionsunterricht, Staatsleistungen, Kirchenasyl: Das Verhältnis zu den Kirchen und Religionsgemeinschaften spielt auch in den Wahlprogrammen der Parteien zur Bundestagswahl eine Rolle. Im Detail fallen manche Unterschiede deutlich auf.
Ein Schreiben der Kirchen an Bundestagsabgeordnete hat kürzlich für Aufsehen gesorgt. Von "Befremden" und der Gefahr eines "massiven Schadens" für die Demokratie schrieben die Leitungen der Berliner Büros von evangelischer und katholischer Kirche, als sich ankündigte, dass die Unionsfraktion im Bundestag mit den Stimmen der AfD einen Antrag für eine massive Verschärfung der Asylpolitik beschließen will.Bei CDU und CSU, den Parteien mit dem Wort "christlich" im Namen, sorgte das für Empörung. Sie seien doch immerhin "die einzigen und letzten", die überhaupt noch zur Idee der Kirchen stünden, wetterte CSU-Chef Markus Söder beim Parteitag der Schwesterpartei CDU. Deckt sich diese Aussage mit den Wahlprogrammen?
"Bei der CDU findet man durchaus einiges im Wahlprogramm, bei dem man sich zu christlichen Traditionen bekennt, etwa den Religionsunterricht, den Schutz christlicher Feiertage und die Sonntagsruhe", sagte der Leipziger Religionssoziologe Gert Pickel dem Evangelischen Pressedienst (epd). In anderen Wahlprogrammen würden die Themen Kirche und Religion insgesamt nicht mehr besonders stark angesprochen, sagte der Professor.
So ist es etwa bei der SPD. "Kirchen und Religionsgemeinschaften leisten einen wertvollen Beitrag für unser Zusammenleben", heißt es im Wahlprogramm der Sozialdemokraten schlicht. Auch das BSW geht bei der Religionspolitik nicht in die Tiefe. "Wir erkennen die bedeutenden Beiträge von Kirchen, Religionsgemeinschaften sowie weltanschaulichen Vereinigungen an", heißt es in deren Programm. Dass die kurzen Passagen immerhin Wertschätzung ausdrücken, freut die Kirchen. In mehreren Programmen werde der Beitrag der Kirchen zum Zusammenhalt der Gesellschaft ausdrücklich gewürdigt, sagte die Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Berlin, Anne Gidion.
Grüne wollen das kirchliche Arbeitsrecht reformierenNeben der CDU sieht Pickel aber auch bei den Grünen eine Verwurzelung bei den Kirchen. "Das merkt man auf Kirchentagen", sagte er. Während die CDU die Kirchen aber sehr traditionell betrachte, sähen die Grünen die Kirchen eher als zivilgesellschaftlich relevante Gruppe. Ihr Wahlprogramm liest sich differenziert: Die Bündnisgrünen bekennen sich ausdrücklich zum Kirchenasyl. Zugleich wollen sie das kirchliche Arbeitsrecht reformieren und Ausnahmen für die Kirchen im Antidiskriminierungsgesetz aufheben.
Die Forderung nach einer Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen haben die Grünen aus dem Programm gestrichen.Die findet sich nach wie vor in den Programmen von FDP und Linken. Die Linken wollen zudem eine Abschaffung des in ihren Worten "Sonderarbeitsrechts" der Kirchen, Änderungen bei der Militärseelsorge und dass die Kirchen die Kirchensteuern selbst einziehen, was gegen eine Gebühr derzeit der Staat übernimmt.
Die AfD, die sich auf "christlich-abendländische Kultur" beruft, erwähnt die Kirchen an nur einer Stelle - mit dem Vorhaben, das Kirchenasyl abzuschaffen. Die Rechtsaußenpartei fokussiert sich bei der Religionspolitik auf die Abgrenzung zum Islam, fordert etwa ein Ende vom islamischen Religionsunterricht und der Uni-Lehrstühle für islamische Theologie. Als "dezidiert islamfeindlich" bezeichnet die Politikwissenschaftlerin Saba Nur-Cheema die AfD. Ihr macht aber auch Sorge, dass in den Programmen der anderen Parteien zur Bundestagswahl der Islam als Religion weniger als früher eine Rolle spielt, der Islamismus als Sicherheitsthema aber schon. Es sei richtig, Islamismus als Problem zu benennen und ihn wie Rechtsextremismus zu bekämpfen, sagte sie: "Das Problem ist, dass alles andere ausbleibt, dass wir nicht über Muslimfeindlichkeit, die Einschränkung der politischen Teilhabe von Muslimen, Alltagsdiskriminierung und Gleichstellung der islamischen Religionsgemeinschaften sprechen."Die Parteien unterschätzten dabei "absolut, was für ein Potenzial sie damit verlieren", sagte Cheema: "Wir reden über fast sechs Millionen Muslime in Deutschland." Kirchenmitglieder sind dem Forscher Pickel zufolge bei ihrem Wahlverhalten "im Wesentlichen ein Spiegelbild der Gesellschaft". Das zeigten verschiedene Studien. "Tatsächlich gibt es unter Christen bis heute mehr CDU-Wähler, aber nicht mehr so stark wie früher", sagte er. Und weiterhin gelte auch: "Protestanten wählen mehr SPD, Katholiken mehr CDU."
Quelle: 14.02.2025 evangelisch.de - epd EKD und Kirchen

Bischöf:innen im Norden: Wählen gehen und Demokratie stärken!
Unter dem Bibelwort „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Tim 1,7) haben die Bischöfinnen und Bischöfe der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) und der beiden Erzbistümer Berlin und Hamburg dazu ermutigt, das Stimmrecht zu nutzen und die Demokratie zu stärken.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Schwestern und Brüder,
am 23. Februar 2025 wählen wir in Deutschland einen neuen Bundestag. In Hamburg wird zudem am 2. März eine neue Bürgerschaft gewählt. Das Recht zu wählen ist die Grundlage unserer parlamentarischen Demokratie, mit der Sie Einfluss auf die politische Zukunft unseres Landes nehmen können. Wir bitten Sie: Beteiligen Sie sich durch Ihre Stimme an der Stärkung und Gestaltung unserer Demokratie, denn sie ist darauf angewiesen, dass wir alle uns für sie engagieren. Die Demokratie wurzelt in Grundwerten, die wir aus christlicher Überzeugung teilen. Die Gedanken von Freiheit und Gleichheit, die Regeln des Rechtsstaats und des sozialen Ausgleichs sowie der Respekt vor den Verfahren der demokratischen Entscheidungsfindung gehören wesentlich dazu. Die Demokratie lebt außerdem von Kompromissen, die mühsam erarbeitet und erstritten werden.
Als Kirchen bekennen wir uns klar zur freiheitlichen Demokratie. Wir sehen weltweit keine bessere politische Ordnung. Unvollkommenheit in der Politik und Unzufriedenheit unter den Bürgerinnen und Bürgern dürfen nicht dazu führen, dass die Legitimation der demokratischen Verfahren in Frage gestellt und politischem Extremismus Raum gegeben wird. Stärken Sie deshalb mit Ihrer Stimme diejenigen Kandidatinnen und Kandidaten, die für die Menschenrechte und die freiheitlich-demokratische Grundordnung einstehen. Als Christinnen und Christen sind wir davon überzeugt, dass jeder Mensch als Ebenbild Gottes eine unverlierbare Würde besitzt. Diese Überzeugung hat ihren Ausdruck in den Menschenrechten und den in unserer Verfassung verbrieften Grundrechten gefunden und bleibt damit ein zentraler Maßstab, an dem politisches Handeln sich messen lassen muss.
Mit großer Sorge beobachten wir daher das Schüren von Ängsten und Hass gegenüber Minderheiten. Als Christinnen und Christen treten wir entschieden gegen jede Verbreitung von antisemitischem und rassistischem Gedankengut ein sowie gegen die Herabsetzung von Menschen anderen Glaubens. Die Vielfalt der kulturellen und religiösen Traditionen ist trotz aller Spannungen ein Reichtum. Damit Integration gelingen kann, brauchen wir den Dialog. Wir stehen als Gesellschaft national, in Europa und auch weltweit vor großen und komplexen Herausforderungen. Dazu gehören die Bewahrung der Schöpfung, der Schutz menschlichen Lebens in all seinen Phasen, die Fortführung des europäischen Friedensprojektes, eine humanitäre Flüchtlingspolitik und eine gute Integration von Zuwanderern sowie eine nachhaltige Wirtschaft im Interesse der zukünftigen Generationen. Diese Aufgaben lassen sich nach unserer Überzeugung nur bewältigen, wenn wir uns dabei an Menschenwürde, Nächstenliebe, Weltoffenheit und Zusammenhalt orientieren.
Darum bitten wir Sie: Nutzen Sie Ihr Stimmrecht und stärken Sie die Demokratie!Wir grüßen Sie in ökumenischer Verbundenheit, im gemeinsamen Gebet und in der Verantwortung für diese Welt.
Horst Eberlein Weihbischof Erzbistum Hamburg
Kirsten Fehrs Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck
Dr. Matthias Heinrich Weihbischof Erzbistum Berlin
Dr. Stefan Heße Erzbischof, Erzbistum Hamburg
Tilman Jeremias Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern Greifswald
Dr. Heiner Koch Erzbischof, Erzbistum Berlin
Kristina Kühnbaum-Schmidt Landesbischöfin der Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland
Nora Steen Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein Schleswig

Von Dorf zu Dorf unterwegs für die Demokratie
11. Februar 2025 von Julia Krause, Kommunikationswerk der Nordkirche
Wer die Demokratie fördern will, braucht zuweilen viel Geduld und die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen. Karl-Georg Ohse und Thorid Schmelter können das. Die beiden Mitarbeitenden der Fachstelle "Kirche stärkt Demokratie" hören immer dann genau hin, wenn andere sich abgehängt fühlen. Denn sie wissen: Radikalisierung fängt oft dort an, wo Menschen sich übergangen fühlen.
Wie wollen wir gut miteinander leben?“ Thorid Schmelter und Karl-Georg Ohse stellen diese Frage in so genannten Councils der Fachstelle „Kirche stärkt Demokratie“. Es ist ein Dialogformat, das die Perspektive öffnen und Toleranz fördern soll.
Ein Austausch im Vertrauen
Unterwegs sind die beiden Sozialpädagogen vorrangig in den Dörfern Mecklenburg-Vorpommerns. Ihr Auftrag: Ein demokratisches Miteinander fördern und Kirchengemeinden als zivilgesellschaftliche Akteure stärken. Sie werden etwa dann gerufen, wenn sich in einer Kommune oder Kirchengemeinde rassistische oder anders diskriminierende Tendenzen zeigen.
Als Beispiel nennt Ohse eine Chatgruppe, in der wiederholt rechtspopulistische Inhalte gepostet wurden. Die Kirchengemeinde lud daraufhin zu einem Council-Treffen ein, das von Ohse moderiert wurde. Bei diesem Format werden in einem geschützten Raum alle Teilnehmenden gebeten, ihre Sichtweise zu einer bestimmten Fragestellung zu schildern. Das Gesagte bleibt vertraulich.
Zuhören statt bewerten
Dabei gehe es nicht darum, mit Fakten Menschen argumentativ auf eine bestimmte Seite zu ziehen, erklärt Ohse. Vielmehr ziele diese Methode darauf ab, dass sich Menschen öffnen und ihre ganz persönliche Sicht darlegen. Die jeweils anderen hören zu – ohne Bewertung oder Gegenrede.
Im besten Falle würden so verhärtete Fronten aufgebrochen und ein respektvoller Diskurs möglich. „Viele denken erst mal an einen Vortrag der politischen Bildung im klassischen Sinne und sind dann völlig überrascht, dass wir einen Redekreis machen“, sagt Thorid Schmelter.
Es geht darum, wieder gesehen zu werden
Erprobt wurde dieses Format bereits sehr intensiv in der Corona-Zeit. Anders als heute lag damals der Fokus darauf, einen Zugang zu Menschen zu bekommen, die in dieser Zeit in das Spektrum von Verschwörungstheorien geraten waren.
Was sowohl bei einer Radikalisierung in Richtung Verschwörungstheorien als auch in Richtung des rechten Milieus eine Rolle spielt, sei das Gefühl des Übergangenen-Werdens oder Abgehängt-Seins, sagt Ohse. „Viele erleben, dass ihnen nicht mehr zugehört wird. Deswegen ist das Reden lassen und Zuhören so wichtig“, sagt der Sozialpädagoge und ergänzt: „Das aussprechen zu können, was einen beschäftigt, nimmt ganz viel Druck aus dem Kessel.“
Obwohl die Mitgliederzahlen in den östlichen Kirchenkreisen vergleichsweise gering sind, werde es von den meisten Menschen positiv aufgenommen, dass gerade die Kirche sich in Sachen Demokratieförderung engagiert: „Das ist vielleicht durch die friedliche Revolution bedingt. Da hat die Kirche eine sehr aktive Rolle gespielt und war für viele in der DDR-Zeit eine Art Schutzraum“, sagt Ohse.
Politisches Engagement kann anstrengend sein
Bedenken gebe es eher aus dem internen Kreis. „Ich erlebe den größten Widerstand gegen das politische Engagement der Kirche aus den Kirchgemeinden selber. Und zwar glaube ich, dass es aus einer Angst heraus passiert, etwas Falsches zu sagen oder sich angreifbar zu machen“, so Ohse.
Ganz von der Hand zu weisen sei diese Sorge auch nicht, ergänzt seine Kollegin Thorid Schmelter. Gerade in Gegenden, in denen der Zuspruch zur AfD hoch sei, liege es nahe, dass Kirchengemeinden ganz genau überlegten, was sie öffentlich sagen möchten.
Desinformation ist eine Gefahr für die Demokratie
Darauf angesprochen, was die beiden Expert:innen als die größte Bedrohung für die Demokratie ansehen, benennen sie Wissenslücken über das Funktionieren demokratischer Strukturen und gezielte Desinformation in den Blasen von sozialen Netzwerken. „Manchmal wundert es mich, wie naiv Leute Fake News glauben“, sagt Ohse.
Die Fachstelle „Kirche für Demokratie“ bietet deswegen neben den Council-Treffen auch Schulungsangebote wie Workshops an. Aktuell liefen diese aber nur auf Sparflamme, da die dafür vorgesehenen Mittel aus dem Bundeshaushalt im Zuge des Koalitionsbruches noch nicht freigegeben sind.
Keine Politik auf Kosten von Menschenrechten
Rund 75 Prozent der Finanzierung der Fachstelle laufe über Bundesmittel aus dem Programm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ des Bundesinnenministeriums und der Bundeszentrale für politische Bildung, die aktuell nicht freigegeben sind. Ohse und seine Kollegin hoffen darauf, dass die neue Bundesregierung diese nun schnell bewilligt, damit sie ihre Arbeit fortführen können.
Mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl sagt Schmelter: „Ich wünsche mir, dass es da zu einer Klarheit kommt. Und dass das Menschliche wieder im Fokus steht.“ Ihr Kollege Karl-Georg Ohse ergänzt, dass er hoffe, dass keine Politik „auf Kosten von Minderheiten und Menschenrechten gemacht wird“. Im Vordergrund müssten die Werte des Grundgesetzes stehen.
Die Nordkirche hat ein Serviceportal eingerichtet. Dort finden Sie Informationen zur Bundestagswahl und anderen gesellschaftlichen Themen.

Wählen gehen und einstehen für unsere Demokratie
Die Kirchen in Deutschland haben in einem gemeinsamen Appell zur Bundestagswahl am 23. Februar zur Stärkung der freiheitlichen Ordnung aufgerufen. „Bitte wählen Sie Parteien, die sich für unsere Demokratie einsetzen!“, erklärten am Dienstag die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sowie der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Erzpriester Radu Constantin Miron.
Gemeinsamer Aufruf
der Vorsitzenden der christlichen Kirchen in Deutschland zur Wahl
des 21. Deutschen Bundestages am 23. Februar 2025
Einstehen für unsere Demokratie
Am 23. Februar 2025 findet die Wahl des 21. Deutschen Bundestages statt. Für die christlichen
Kirchen ist unsere Demokratie unverhandelbar. Auf dieses Fundament sind wir stolz. Wir sind
überzeugt, dass die Stärken unserer Demokratie – dazu gehören vor allem das Aushandeln von
Kompromissen und der Schutz von Minderheiten – auch in Krisenzeiten greifen.
Die aktuellen politischen Debatten fordern diese wehrhafte Demokratie heraus. Wenn sich
unsere Gesellschaft immer mehr polarisiert, bis sich Menschen unversöhnlich gegenüberstehen,
haben extremistische Kräfte leichtes Spiel. Wir halten daran fest, dass Extremismus und vor
allem völkischer Nationalismus mit dem Christentum nicht vereinbar sind. Daher appellieren
wir an alle Wahlberechtigten: Bitte wählen Sie Parteien, die sich für unsere Demokratie
einsetzen!
Hoffnung und Vertrauen in die Zukunft
Unser Land braucht Hoffnung und Vertrauen in die Zukunft, denn wir stehen vor vielen
Herausforderungen, ja vor einer Veränderung der globalen Ordnung: Der völkerrechtswidrige
Krieg Russlands gegen die Ukraine, die Unruhen im Nahen Osten und die weiteren
Krisengebiete der Erde haben Gewissheiten erschüttert. Viele Menschen fühlen eine
Überforderung angesichts der wirtschaftlichen Situation, des vom Menschen gemachten
Klimawandels, der wachsenden Zahl von Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen aus
ihrer Heimat flüchten. Das gilt auch mit Blick auf neue Technologien wie Künstliche
Intelligenz, das Erstarken autoritärer Kräfte, gezielte Desinformation und den Versuch, das
demokratische Miteinander in Deutschland dadurch zu diskreditieren.
Eine gute Zukunft für unser Land setzt klare Orientierungen voraus. Das beinhaltet:
• Unser Land muss weiterhin Europa als den gemeinsamen Raum von Freiheit, Recht,
Sicherheit und Wohlergehen stärken – und zugleich dem Frieden weltweit und den
Menschenrechten dienen.
Unser Land darf beim Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen nicht nachlassen. Wir
sind gefordert, unseren Beitrag für die Zukunft des Planeten und zur Bewahrung der
Schöpfung zu leisten.
• Unser Land muss auch weiterhin den Blick auf die globalen Erfordernisse und Nöte
richten und zur Überwindung von Armut und Unterdrückung in aller Welt beitragen.
• Unser Land muss einer humanitär orientierten Flüchtlingspolitik und einer guten
Integration von Zuwanderern verpflichtet bleiben. Probleme sollten mit
Entschlossenheit, aber ohne Ressentiments angepackt werden.
• Unser Land muss Teilhabe und Gerechtigkeit im Blick halten. Dazu gehört die Soziale
Marktwirtschaft mit einem weiterhin leistungsfähigen System der sozialen Sicherung.
• Unser Land muss schließlich dem Schutz des Lebens zugewandt sein, denn jeder
Mensch hat die gleiche unveräußerliche Würde.
Das gemeinsame Streben nach dem Gemeinwohl haben Kirchen und Politik auf je eigene Weise
im Blick. Zum Gemeinwohl gehört auch ein gutes demokratisches Miteinander. Dafür müssen
wir bereit sein zuzuhören, einander verstehen zu wollen und konstruktiv um gerechte Lösungen
zu ringen. Die demokratischen Parteien müssen die fundamentalen Werte und Prinzipien
unserer Gesellschaft, die auch im Grundgesetz festgeschrieben sind, verteidigen.
Allen Menschen, die sich für diese Werte und Prinzipien einsetzen und die sich demokratisch
engagieren, danken wir von Herzen. Es ist erschreckend, wie oft sie bedroht oder tätlich
angegriffen werden. Sie verdienen unseren Respekt und brauchen unsere Solidarität und
Unterstützung. An vielen Orten sind Initiativen zur Stärkung unserer Demokratie entstanden,
auch mit Beteiligung der Kirchen. Das ist ein ermutigendes Zeichen. Für ein gutes Miteinander
sowie den gegenseitigen Respekt voreinander bedarf es des täglichen Einsatzes.
Wählen gehen und einstehen für unsere Demokratie
Wir wenden uns an alle Wahlberechtigten: Übernehmen Sie Verantwortung für das
demokratische Miteinander. Gehen Sie wählen und stimmen Sie bei der Bundestagswahl für
Parteien und Abgeordnete, die sich für ein rechtsstaatliches, freiheitliches, weltoffenes,
solidarisches und die Schöpfung bewahrendes Deutschland einsetzen. Wir wenden uns dabei
besonders an alle, die zum ersten Mal wählen dürfen: Machen wir alle von unserer Stimme
Gebrauch und stehen wir für unsere Demokratie ein!
Bischof Dr. Georg Bätzing,
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Bischöfin Kirsten Fehrs,
Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Erzpriester Radu Constantin Miron,
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK)
Quelle: epd/EKD

Politik auf Kosten der Schwächsten. EKD und Bischofskonferenz kritisieren CDU-Gesetzentwurf
Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz haben in einer gemeinsamen Stellungnahme Kritik am heute im Bundestag eigebrachten Entwurf eines "Zustrombegrenzungsgesetzes"* der CDU/CSU-Fraktion geübt.
In einer Stellungnahme haben sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) zu dem Entwurf des „Zustrombegrenzungsgesetzes“ der Fraktion von CDU und CSU geäußert, das am Freitag im Parlament zur Abstimmung gestellt werden soll. In der Stellungnahme heißt es, die vorgeschlagenen Gesetzesänderungen hätten keinen der Anschläge verhindert, die Anlass für die aktuelle Debatte sind. Dazu Ansgar Gilster vom Referat Migration und Menschenrechte der EKD: „Sie (die Debatte) ist dazu geeignet, alle in Deutschland lebenden Migrantinnen und Migranten zu diffamieren, Vorurteile zu schüren und trägt unserer Meinung nach nicht zur Lösung der tatsächlich bestehenden Fragen bei. Die nun vorgeschlagenen Verschärfungen sind nicht zielführend, vergelichbare Taten zu verhindern und tragfähige Antworten auf das öffentliche Sicherheitsbedürfnis zu geben.“
In dem Begleitschreiben zur Stellungnahme wird betont, dass die aktuell geführte Debatte aus Sicht der Kirchen zutiefst fremdenfeindlich sei. Die im Gesetzesentwurf und den Anträgen enthaltenen Punkte seien nach Auffassung der Kirchen rechts- bzw. verfassungswidrig und geeignet, die Grundpfeiler der Europäischen Union zu erschüttern.
Die beiden Kirchen sind besorgt, dass die deutsche Demokratie „massiven Schaden“ nehmen würde, sollten Abstimmungen herbeigeführt werden, in denen Stimmen der AfD ausschlaggebend sind.
In der Anlage finden Sie die Gemeinsame Stellungnahme
* Allein in dieser Wortschöpfung wird eine Dehumanisierung von Menschen lesbar.
Quelle: EKD, DW S-H, epd