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„Die Würde des Menschen ist unantastbar!“

Diese Kernaussage des Grundgesetzes steht für die Arbeit von „Kirche stärkt Demokratie“. „Kirche stärkt Demokratie“ bietet seit 2011 qualifizierte Fortbildungen und Beratungen für Ehren- und Hauptamtliche. Unsere Angebote befähigen Menschen aus Kirchengemeinden in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rassismus und demokratiefeindlichen Einstellungen. Darüber hinaus beraten wir Mitarbeiter*innen und Ehrenamtliche aus Kirchengemeinden im Umgang mit menschenfeindlichen Haltungen, geben Anregungen für die Umsetzung lokaler Dialoge und die Öffnung von Kirchengemeinden zu anderen Akteuren im Ort.

Aktuelles & Bilder

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25.02.2024

Integrationsbeauftragte: Viele Menschen heute sensibilisierter beim Thema Rassismus 20 Jahre nach dem Mord an Mehmet Turgut

Am 25. Februar 2024 jährt sich der Mord an Mehmet Turgut in Rostock zum 20. Mal. Der junge Kurde wurde in einem Imbiss im Stadtteil Toitenwinkel aus rassistischen Motiven ermordet. „Auch zwei Jahrzehnte nach der Tat müssen wir uns in der Gesellschaft mit Rassismus und Rechtsradikalismus auseinandersetzen. Das ist die Realität“, macht die Integrationsbeauftragte des Landes, Jana Michael anlässlich des Todestages von Mehmet Turgut deutlich. Michael wird am Sonntag als eine von vielen Gästen die Gedenkfeier in Rostock begleiten.

 Michael betont, dass es solche Formen des Terrors in Deutschland überhaupt noch geben kann, sei erschreckend. „Die Umstände des Todes von Mehmet Turgut führen bis heute zu einem unermesslichen Schmerz für seine Familie“, so Michael. Um eine Aufarbeitung zu ermöglichen, sei laut Michael entscheidend, dass der Staat mit seinen Organen, Politikerinnen und Politiker und die Zivilgesellschaft anerkennen würden, dass Rassismus in Deutschland noch immer ein Thema sei.

 „Erst, wenn wir dieses Problem beim Namen nennen, kann es uns gelingen, als eine wehrhafte Demokratie entschlossen dagegen zu handeln“, fügt Michael hinzu. Dass die Gesellschaft klare Zeichen setzen könne, verdeutlichten die Demonstrationen der letzten Wochen. Jeder Mensch, der für Freiheit, Toleranz und gegen Rassismus und Rechtsradikalismus auf die Straße gehe, trage dazu bei, dass sich eine Tat wie der Mord an Mehmet Turgut nicht wiederholt, so Michael. 

 Die Integrationsbeauftragte zeigt sich zuversichtlich, dass die Gesellschaft aus solchen Taten lernen kann: „Mein Eindruck ist, dass viele Menschen heute deutlich sensibilisierter für die Thematik sind, als es im Jahr 2004 der Fall gewesen ist.“ Viele Menschen in Deutschland und MV setzten sich laut Michael aktiv für die Teilhabe von Menschen mit Einwanderungsbiografie ein. 

 „Mein Dank gehört vor allem der engagierten Zivilgesellschaft und den Migrant:innenselbstorganisationen (MSOs). In den 20 Jahren haben wir es dank ihres Einsatzes erreicht, dass die migrantische Gesellschaft mehr Mitspracherechte hat. Sie kämpfen unermüdlich für Gerechtigkeit, Gleichstellung und Partizipation“, betont Michael. Die MSOs seien es auch gewesen, die immer wieder auf die Unstimmigkeiten bei den Untersuchungen zum Fall Mehmet Turgut aufmerksam gemacht und nach Erklärungen gefragt hätten. 

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17.01.2024

"Freiheit in Verantwortung"- 16. Tagung des Nordeutschen Friedensnetzwerkes

Vom 22.-24. Februar 2024 trifft sich Salem das "Norddeutsche Friedensnetzwerk"

Das Norddeutsche Netzwerk Friedenspädagogik tagt auch 2024 wieder in Präsenz!

Alle Interessierten sind herzlich zur 16. Fachtagung „Freiheit in Verantwortung – Verantwortung in Freiheit“vom 22.-24. Februar 2024 ins Tagungshaus Ferienland Salem in Malchin/Mecklenburg-Vorpommern eingeladen! Einen ersten Einblick in das Tagungsthema, sowie alle wichtigen Informationen zur Anmeldung können Sie dem Tagungsflyer oder der Homepage des Norddeutschen Netzwerks Friedenspädagogik entnehmen. 

"Viele Menschen sprechen von „ihrer“ Freiheit, die es zu erhalten gilt.
Welche Freiheit ist hier gemeint? Welche Freiheit wollen wir als Gesellschaft erhalten? Für welche Freiheit
setzen wir uns ein? Können wir frei sein, wenn andere es nicht sind? Können wir uns frei entfalten, wenn
andere aufgrund unserer Lebensweise, sozialer Ungerechtigkeit und Krieg auf der Flucht umkommen?
Friedenspädagogik orientiert sich an einem ‚guten Leben‘ für alle. Welche Voraussetzungen sind hier-
für nötig? Wie hängen in einem guten Leben Freiheit und Verantwortung zusammen?
Wird Verantwortung durch Freiheit aufgehoben? Wird Freiheit durch Verantwortung begrenzt?
Rassismus, Klassismus und andere Formen der Ausgrenzung und Unterdrückung verhindern Freiheit
und trennen Menschen. Welche Rolle spielen wir als Einzelne darin und was ist unsere Verantwortung?
Die Diskussionen um Menschenrechte und unsere koloniale Vergangenheit und Gegenwart zeigen, dass
diese Fragen nach wie vor nicht beantwortet sind. Ebenso schränken Klimakrise, Krieg und weltweite
Ungerechtigkeiten Freiheit ein, und rufen nach einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen.
Wie wollen und können Gesellschaften ihr Verständnis von Freiheit und Verantwortung aushandeln?
Welche Positionen und Perspektiven werden gehört und gelten als legitim und valide?
Mit diesen Fragen möchte das Norddeutsche Netzwerk Friedenspädagogik Akteur:innen aus Politik,
Zivilgesellschaft und Schule einladen, sich in Workshops, Vorträgen und Diskussionsrunden auszu-
tauschen und zu vernetzen. Francis Seeck wird die Tagung mit einem Vortrag zu Klassismus eröffnen.
Şeyda Kurt ist als Referent*in angefragt.
Weitere Details zur Tagung finden Sie unter www.netzwerk-friedenspädagogik.de."

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21.12.2023

Das Jahresprogramm von „Kirche stärkt Demokratie“ widmet sich 2024 dem Dialog: „Raus aus dem Krawall-Modus“

2024 bietet „Kirche stärkt Demokratie“ wieder interessante und kostenfreie Fortbildungen an. 

Die Frage, wie Begegnung und Dialog in gesellschaftlich und kirchlich aufgeladenen Zeiten gelingen bewegt die Projektverantwortlichen Thorid Garbe und Karl-Georg Ohse schon lange: „Kirche stärkt Demokratie hat in den letzten Jahren positive Erfahrungen mit der Council-Haltung und -Methode gesammelt. Deshalb geben wir diese in einer Fortbildungsreihe an Ehren- und Hauptamtliche weiter“. In polarisierenden Zeiten lädt das Projekt, das aus Bundes,- Europa und -Kirchenmittel gefördert wird, an drei Wochenenden im März, Oktober und November ein, eine Haltung zu üben, die echten Dialog und gesellschaftliche Solidarität fördern. Darüber hinaus wird es vom 14. bis zum 16. Juni einen „Pilgerweg der Demokratie“ von Neubrandenburg nach Neustrelitz geben.

Das 11. Forum „Kirche und Rechtsextremismus im Norden“, das in Kooperation mit anderen Projekten in der Nordkirche organisiert wird, findet 2024 in Mecklenburg-Vorpommern statt. Es lädt vom 21. bis 22. September nach Graal Müritz ein.

Auch für kleinere Fortbildungsformate und Beratungen steht das Team auf Anfrage zur Verfügung. 

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12.12.2023

"Schöne Bescherung": Ohne Haushalt stellt man Projekte kalt

Hunderte von Demokratieprojekten, die aus Bundesmitteln gefördert werden, sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Grund dafür ist der bisher nicht verabschiedete Haushalt für 2024 und die daraus resultierende finanzielle Unsicherheit. Die Situation ist alarmierend: Ohne Lösung des Haushaltsstreits drohen vielen Initiativen und Projekten ab dem 1. Januar 2024 massive Entlassungen und das Aus ihrer demokratiestärkenden Arbeit.


Hunderten Demokratieprojekten droht das Aus zum 1. Januar – tausende Entlassungen sind zu befürchten

Der nicht verabschiedete Haushalt 2024 und die aktuelle Sperrung für zukünftige Ausgaben bedrohen die über 20 Jahre mühsam aufgebaute Landschaft der Demokratieprojekte in ihrer Existenz. Wenn es nicht spätestens bis Weihnachten eine Lösung gibt, müssen Kompetenznetzwerke, Beratungsstellen und Modellprojekte zum Jahreswechsel ihre Arbeit einstellen.

Beratungsangebote für Opfer rechter Gewalt und für Antisemitismus-Betroffene, Mobile Beratung als Unterstützung für Kommunalpolitik und Zivilgesellschaft, die bundesweiten Kompetenznetzwerke der Bildungs- und Vernetzungsarbeit zu Rassismus und Diskriminierung, Projekte der Deradikalisierungs- und Ausstiegsarbeit sowie die kommunalen Partnerschaften für Demokratie stehen vor dem Aus.

Derzeit verfügen diese wichtigen Demokratieprojekte über keine Förderzusagen zum 1. Januar 2024 durch das zuständige Bundesfamilienministerium für das letzte Förderjahr der aktuellen Periode von „Demokratie leben!“. Auch ein „vorzeitiger Maßnahmenbeginn“, der den Trägern die Fördermittel auch bei späterer Zahlung zusichert und damit die Zahlungsfähigkeit sicherstellt, kann nicht gewährt werden. Die Träger müssen ihre Maßnahmen zwangsläufig aussetzen. Damit laufen Arbeitsverträge aus oder müssen gekündigt werden. Büromieten können nicht mehr gezahlt werden. Noch gravierender aber: Menschen, die sich auf die professionelle Unterstützung verlassen und auf Hilfe angewiesen sind, können nicht mehr beraten und begleitet werden.

Zuletzt hatten Familienministerin Lisa Paus und Innenministerin Nancy Faeser, die für die beiden zentralen Demokratieförderprogramme verantwortlich sind, noch die immense Bedeutung der Angebote betont. Ein „Demokratiefördergesetz“, das die Voraussetzungen für eine längerfristige Absicherung schaffen soll, steht nach jahrelangen Auseinandersetzungen nach Angaben der Koalition vor einer Verabschiedung noch in diesem Jahr. Offen bleibt, wie es final ausgestaltet sein wird. Es wird seinen Zweck jedoch in keinem Fall erfüllen können, wenn die Träger wegen ausbleibender Zahlungen ihre Arbeit einstellen müssen.

Die Demokratieförderung in Deutschland ist akut bedroht. Die Ampel kommt ihren eigenen Versprechen aktuell nicht nach und lässt die Träger und Projekte im Regen stehen. Auch von der CDU kommen aktuell keine konstruktiven Lösungsvorschläge, um wichtige Arbeitsfelder in dieser Krisensituation abzusichern.

Wir fordern daher:

  • Die sehr zügige politische Einigung auf einen Haushalt 2024 ohne Kürzungen im Bereich der Demokratieförderung deutlich vor Weihnachten.
  • Die Bewilligung eines vorzeitigen Maßnahmenbeginns für die Träger in den Bundesprogrammen noch vor Weihnachten, damit die Arbeit in einem ersten Schritt überhaupt fortgeführt werden kann. Träger können dann mit Krediten oder über Kofinanzierungsmittel der Länder in Vorleistung gehen, deren Rückerstattung dann rechtlich möglich wäre.
  • Eine zügige Freigabe der Mittel im Januar 2024 für das letzte Jahr der aktuellen Förderperiode von „Demokratie leben!“, damit der Erhalt der Arbeit nicht in der Verantwortung der Träger und ihrer Mitarbeitenden liegt. Hierzu müssen die Ministerinnen beim Finanzminister eine Ausnahme geltend machen.
  • Die Einlösung des Versprechens, durch das Demokratiefördergesetz eine nachhaltige Absicherung der Maßnahmen zu gewährleisten. Das Gesetz muss endlich durch die Ampel im Bundestag verabschiedet werden.

Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung, warnt vor einem irreparablen Schaden für die demokratische Projektlandschaft:„Beratungsstellen verzeichnen Rekordanfragen von Betroffenen rechter Gewalt und Bedrohungen. Rechtsextreme wähnen sich vor dem Superwahljahr 2024 im Höhenflug. Und zur gleichen Zeit droht der größte Kahlschlag in den Projekten, die Betroffene unterstützen und für demokratische Werte streiten, weil sie ab Januar ohne Geld dastehen. Wenn jetzt nicht in kürzester Zeit eine Zusage der Finanzierung bei den Trägern eintrifft, macht die Koalition den Rechtsextremen das größte Weihnachtsgeschenk, dass sie sich vorstellen können.“

Erstunterzeichnende:

  • Adolf-Bender-Zentrum e V.
  • Aktion Courage e.V./ Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage Bundeskoordination
  • Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.
  • Amadeu Antonio Stiftung
  • Anne Frank Zentrum, Berlin
  • Arbeit und Leben im Kreis Herford DGB/VHS e.V.
  • Asyl e.V., Hildesheim
  • AWO SPI Soziale Stadt und Land Entwicklungsgesellschaft mbH, Merseburg
  • AWO SPI Soziale Stadt und Land Entwicklungsgesellschaft mbH, Magdeburg
  • AWO Landesverband Sachsen-Anhalt e.V.
  • BDKJ im Bistum Mainz und Träger der Mobilen Beratung in Rheinland-Pfalz Regionalstelle Mitte
  • Bundesarbeitsgemeinschaft „Ausstieg zum Einstieg“ e.V.
  • Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus (BAG RelEx e.V.)
  • Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e.V.
  • Bundesverband Mobile Beratung
  • Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt Anhalt/Bitterfeld/Wittenberg
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus
  • cultures interactive e.V.
  • Deutsche Sportjugend im Deutschen Olympischen Sportbund
  • Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma
  • Drudel 11 e.V.
  • Each One Teach One
  • ezra – Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen
  • EXIT-EnterLife e.V.
  • Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e.V.
  • jetzt – Verein für Beratung, Coaching und Bildung e.V“ und Träger der Regionalstelle Süd des Beratungsnetzwerks Hessens
  • Katholische Erwachsenenbildung im Land Sachsen-Anhalt e.V.
  • Koordinierungs- und Fachstelle des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, Dessau-Roßlau
  • Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie Landkreis Börde
  • Koordinierungs- und Fachstelle „Partnerschaft für Demokratie Mansfeld-Südharz“
  • Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie Saalekreis
  • Kreis-Kinder-und Jugendring Mansfeld-Südharz e.V.
  • Kubus e.V.
  • Kulturbüro Sachsen e.V.
  • Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V. (IDA)
  • IZRD e.V. – Interdisziplinäres Zentrum für Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung e.V.
  • Jugendbildungsstätte LidiceHaus gGmbH
  • LOBBI, Landesweite Opferberatung, Beistand und Information für Betroffene rechter Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern e.V.
  • Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)
  • MBT Hessen e.V. – Mobile Beratung in Hessen
  • Miteinander e.V., Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt
  • mitMachen e. V.
  • Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) Berlin
  • Netzwerk für Demokratie und Courage e.V. (NDK)
  • Netzwerk für Demokratische Kultur e.V.
  • Opferberatung Rheinland (OBR)
  • Opferperspektive e.V.
  • Partnerschaft für Demokratie Merseburg engagiert
  • Palais e.V. als Träger der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in RLP Regionalstelle West
  • RAA – Demokratie und Bildung Mecklenburg-Vorpommern e.V.
  • RAA Sachsen e.V.
  • Regionalkoordination Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage MSH
  • response. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt – Träger: Evangelischer Regionalverband Frankfurt und Offenbach
  • Stiftung Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar
  • Teams der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in NRW
  • Vollkontakt – Demokratie und Kampfsport
  • WABE e.V.
  • Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz e.V.
  • Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG)
  • Verein für demokratische Berlin e.V.

Fazit: Die Notwendigkeit sofortigen Handelns

Angesichts dieser drängenden Situation ist es entscheidend, dass die politischen Entscheidungsträger unverzüglich handeln. Die Zukunft hunderter Demokratieprojekte und damit die Grundwerte unserer Gesellschaft stehen auf dem Spiel. Es ist an der Zeit, dass die Versprechen der Politik in konkrete Taten umgesetzt werden, um die Demokratie in Deutschland zu stärken und zu schützen.

Quelle: Pressemitteilung der Bundesarbeitsgemeinschaft Demokratieentwicklung, 8.12.2023

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08.12.2023

Antisemitismus in Deutschland zu bekämpfen ist christlicher Auftrag!

Wort des Bischofsrates der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland zur Tagung der Landessynode November 2023


Antisemitismus in Deutschland zu bekämpfen ist christlicher Auftrag!


Liebe Synodale, liebe Schwestern und Brüder!
Am 7. Oktober 2023 verübte die Hamas in Israel ein entsetzliches Pogrom an Jüdinnen und Juden. Über tausend Menschen sind an diesem Tag ermordet worden. Mehr als 5000 Menschen wurden teils schwer verletzt. Über zweihundert Kinder, Frauen, Männer sind als Geiseln nach Gaza verschleppt worden und werden nach wie vor gefangen gehalten. Dieses Massaker brachte unendliches Leid über Jüdinnen und Juden in Israel und der ganzen Welt. Und dieser Herbst 2023 zeigt uns: Das Gift des Antisemitismus wirkt durch die Zeiten hindurch und tiefgehend in die Mitte unserer Gesellschaft hinein, auch hier in Deutschland.
Der Hass gegen Jüdinnen und Juden wütet seit Jahren in sozialen Netzwerken, in Institutionen und Organisationen und in diesen Wochen offener denn je auf unseren Straßen. Die Bedrohungs- und Gefahrenlage für unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ist erdrückend. Wir erleben aufgeheizte Debatten und verachtende Sprechchöre einerseits und eine Sprachlosigkeit und Ohnmacht andererseits.
Als Kirche müssen wir Worte nutzen und aussprechen, was an der Zeit ist. Jede und jeder von uns kann Friedensstifterin und Friedensstifter sein. Lasst uns Brücken bauen! Und das mit denen zusammen, die sich nicht dem Sog des Extremismus hingeben. Lasst uns die Hände reichen! Für einen verbindenden Frieden, damit sich der große Schalom, der umfassende Friede, erfüllen kann.
Und lasst uns eine wahrhaftige Kirche sein, die ihre Schuld bekennt und die um ihre Verantwortung weiß. Die evangelische Kirche hat sich gegenüber Menschen jüdischen Glaubens durch aktive Unterstützung des NS-Regimes oder durch Schweigen schuldig gemacht.
Die Bekämpfung von Antisemitismus bleibt ständige Aufgabe unserer Kirche.
Wir sind als Kirche Teil dieser Gesellschaft. Wir unterstützen ausdrücklich das Bestreben der Landesregierung Schleswig-Holsteins, den Schutz jüdischen Lebens in die Verfassung mit aufzunehmen, so wie es in Hamburg seit Anfang 2023 schon der Fall ist. Wir wünschen uns, dass Mecklenburg-Vorpommern diesem Bestreben folgt.
Das „Nie wieder!“ muss sich jeden Tag auch durch uns neu bewähren. Seit Jahrzehnten sind wir als Nordkirche mit Partnerinnen und Partnern in Israel verbunden, fördern ihre Arbeit und informieren über die Geschichte des jüdischen Staates. Angesichts einer vielerorts zu beobachtenden giftigen Verbindung von Unwissen über den Staat Israel und den Nahostkonflikt mit Judenfeindschaft sehen wir es als eine Hauptaufgabe der Zukunft an, Wissen über Israel und den Nahostkonflikt noch viel umfassender in unserer Kirche zu vermitteln. Wir wollen daher Begegnungen mit den Menschen in der israelischen Zivilgesellschaft in Zukunft noch deutlicher fördern.
Gegenwärtig und zukünftig bekräftigen wir: Wir verurteilen jede Form von Antisemitismus! Vor unseren Kirchentüren und in den eigenen Bankreihen. Antijüdische oder antiisraelische Hassparolen auf unseren Straßen können wir nicht dulden.
Nie wieder ist jetzt! Nie wieder in Gottes Namen hassen, kriegen, morden. In keinem seiner Namen. Dafür stehen wir hier und heute als Nordkirche.

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08.11.2023

Taizé : Frère Alois übergibt im Dezember sein Dienstamt als Prior

Gemäß der Regel von Taizé, nach welcher der Prior der Communauté einen Bruder bestimmt, der nach ihm die Kontinuität sicherstellt, wird Frère Alois, nach Absprache mit allen Brüdern, in diesem Jahr sein Amt als Prior an Frère Matthew übergeben. Frère Matthew stammt aus England und kommt aus der anglikanischen Kirche. Der Wechsel des Priors findet am Vorabend des ersten Advents, am Samstag, dem 2. Dezember während des Abendgebets um 20.20 Uhr statt.

Anfang Oktober waren 15 Ehrenamtliche aus Mecklenburg und Pommern in Taizé, um mit Menschen aus aller Welt Fragen des Glaubens und christlichen Engagaments zu teilen. Die Gebete und Gesänge, die die Atmosphäre in Taizé prägen, haben die Teilnehmer:innen ermutigt und gestärkt.

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28.10.2023

„Damals-Heute-Morgen“ Mahn- und Gedenkstunde an die Pogromnacht von 1938

Donnerstag, 9. November 2023 um 18.00 Uhr auf dem Schlachtermarkt Schwerin

Der brutale Überfall der Hamas auf Israel und zum Teil sehr judenfeindliche Reaktionen in Deutschland lassen Erinnerungen an das Pogrom von 1938 aufleben. In diesem Jahr gedenkt der Arbeitskreis „9. November 1938“ der 85. Wiederkehr und erinnert mit Texten und Musik an diese Terrornacht von 1938. Die diesjährige Mahn -und Gedenkstunde findet am Mittwoch, dem 9. November 2023 um 18.00 Uhr auf dem Schweriner Schlachtermarkt statt.

Gemeinsam mit Landesrabbiner Yuriy Kadnykow ist die Mahn -und Gedenkstunde ein Zeichen der Solidarität mit allen jüdischen Mitbürger:innen. Die Gedenkstunde wird umrahmt von Bildprojektionen rekonstruierter Synagogen, die während der Nacht vom 09. November zum 10. November 1938 zerstört wurden. Dabei wird auch eine Rekonstruktion der zerstörten Synagoge in Schwerin zu sehen sein.

Weitere Veranstaltungen zum Gedenken an die Novemberprogrome vor 85 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern:

09.11.2023: 17:30 Uhr, Jüdischer Friedhof Feldberg, Hans-Fallada-Siedlung 17258 Feldberg

09.11.2023, 18:00 Uhr: Pogromgedenken, Heilgeistkirche Stralsund Wasserstraße 49, 18439 Stralsund

09.11.2023, 19:00 Uhr, Gedenken an die Reichspogromnacht und Friedensandacht, Gemeindehaus Garz, Lange Straße 34, 18574 Garz/Rügen

09.11.2023, 16:00 Uhr: Andacht am Platz der ehemaligen Synagoge, Krönchenhagen 16, Güstrow

12.11.2023, 10:00 Uhr Gottesdienst mit Gedenken an 85 Jahre Reichsprogromnacht, Kirch-Gemeinderaum, Lindenstraße 1, Picher

12.11.2023, 10:00 Uhr: Gottesdienst mit dem Gedenken an 85 Jahre Reichsprogromnacht, Kirche Schlieffenberg,  Am Park, 18279 Lalendorf OT Schlieffenberg


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26.10.2023

Auf nach Salem: Werkstattwochenende vom 10.-12.11.23

ZUM AUFTANKEN UND AUFBRECHEN, Ferienland Salem 


Das wird mal wohl noch träumen können:

Eine Kirche, die offen ist für neue Ideen

Eine Kirche, die Alle willkommen heißt

Eine Kirche, die Neues in den Blick nimmt

Eine Kirche, die sich einmischt 

Eine Kirche, die….

Wir laden Sie ein, den Mantel der Fantasie anzulegen und gemeinsam mit anderen Menschen Kirche im Ort neu zu denken. Kirchengemeinde als einen offenen, menschenfreundlichen Ort der Begegnung zu entwickeln und mit Anderen neue Kooperationen zu gestalten ist das Ziel dieses Wochenendes.

Bringen Sie ihre Träume und Ideen mit. Lassen Sie sich auf neue Wege des Denkens und Austauschens ein. Mit der „Council“- Haltung und- Methode öffnen wir neue Räume, die Sie in Ihrem Ort gestalten können.

Zeit: Freitag, den 10.11.2023, 16:00 Uhr bis Sonntag, 12.11.2023, 13:00 Uhr

Neuer Ort: Ferienland Salem,  Am Hafen 1 ·17139 Malchin OT Salem
Kosten: Keine Seminargebühren. Fahrkosten können nicht übernommen werden.

Leitung: Thorid Garbe| Karl-Georg Ohse| Ursula Wältring

ANMELDUNG BIS 05.11.2023 AUF: https://kirche-demokratie.de/termine_anmeldung/index.html


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24.10.2023

Nächstenliebe unter Druck - Kirche im Einsatz für Demokratie. BAGKR tagte in Dresden

Was können Kirchen und Zivilgesellschaft dem Erstarken der extremen Rechten entgegensetzen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus (BAG K+R) am 20. und 21. Oktober in Dresden. Hier wurde vor 13 Jahren die BAKGKR gegründet.

Bischöfe solidariseren sich mit den Jüdischen Gemeinden

Die Veranstaltung begann mit einer Schweigeminute für die Opfer des Terrorangriffs der Hamas auf Israel. Im Anschluss betonte Heinrich Timmerevers, Bischof des Bistums Dresden-Meißen, in seinem Grußwort mit Blick auf den Nahen Osten, aber auch mit Blick auf Rechtsextremismus, dass „unsere deutsche und christliche Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volk“ uns verpflichte, „bedingungslos jüdisches Leben zu schützen“. Dr. Nora Goldenbogen, Vorsitzende des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Sachsen, zeigte sich in einem weiteren Grußwort tief betroffen vom erstarkten Antisemitismus. Unter Jüdinnen und Juden mache sich Angst breit, der islamistische Antisemitismus verbinde sich mit dem ureigenen deutschen. Es sei eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft, damit umzugehen. In einer Videobotschaft wandte sich auch Tobias Bilz, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, an die Teilnehmenden. 

 Am Abend widmete sich eine Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen aus der sächsischen Zivilgesellschaft der Frage, wie angesichts des Erstarkens der extremen Rechten und dem weit verbreiteten Rassismus gesellschaftliche Dialoge gelingen können. Die Teilnehmenden tauschten sich aus über Erfahrungen aus Diskussionsformaten etwa der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung oder von kirchlichen Akademien. „Wir müssen im Dialog bleiben. Aber gleichzeitig muss die Würde des Menschen in jeder Situation gewahrt bleiben,“ forderte Lisa-Marie Eberharter von der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen. Petra Schickert (Kulturbüro Sachsen) betonte dagegen auch die Grenzen von Diskussionen: „Wenn wir Rechtsextreme in Veranstaltungen zulassen, ist das kein angstfreier Raum mehr für alle, wo offen diskutiert werden kann“. Özcan Karadeniz, Geschäftsführer des Dachverbandes sächsischer Migrant*innenorganisationen, forderte anzuerkennen, dass der Rechtsextremismus „ein Kind der Mitte der Gesellschaft“ sei. Ihn zu bekämpfen, sei ein Job, den Weiße übernehmen sollten.

Die Rolle der russischen Orthodoxie im System Putin 

Der zweite Tag begann mit einem Beitrag von Dr. Regula Zwahlen Guth, Expertin für orthodoxe Theologie zur Frage, inwiefern die Leitung der russisch-orthodoxe Kirche mit einer „imperialen Theologie“ den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine legitimiert. Sie machte darauf aufmerksam, dass die russisch-orthodoxe Kriegstheologie von heute die deutsche Kriegstheologie aus dem letzten Jahrhundert wiederholt. 

Nächstenliebe unter Druck

In einer weiteren Podiumsdiskussion standen Angriffe von rechts auf die Zivilgesellschaft im Mittelpunkt. Wie kann demokratisches Engagement trotz Gefährdung gelingen? Michael Nattke, Geschäftsführer des Kulturbüros Sachsen, betonte, dass in ganz Sachsen eine langjährig gewachsene und verfestigte rechtsextreme Szene existiert, die mit herkömmlicher politischer Bildungsarbeit nicht mehr zu erreichen sei. Dies bedeute in sich schon eine Gefährdung der Zivilgesellschaft. Rudaba Badakhshi vom Dachverband der Migrant*innenorganisationen beschrieb eine doppelte Einschränkung, von der etwa Menschen mit nicht ausreichend sicherem Aufenthaltsstatus betroffen sind: Ihre Meinungsfreiheit wird bedroht einerseits durch die extreme Rechte und anderseits auch durch die Sorge, dass sich demokratische Teilhabe negativ auf ihr Aufenthaltsrecht auswirken könnte. Dorothea Schneider von „Augen auf e.V.“ beschrieb eindringlich massive Bedrohungen und Angriffe, denen demokratisch engagierte Menschen besonders im ländlichen Raum ausgesetzt sind.

Im Anschluss konnten in Arbeitsgruppen Diskussionen vertieft und Perspektiven der Teilnehmenden aufgegriffen werden. Die Workshops widmeten sich Themen wie den rechtsextremen Strukturen in Sachsen, der Reichsbürger*innen-Szene, rechtslastigen Teilen des evangelikalen Milieus sowie Antisemitismus. 

Solidarisch mit Israel

Die 70 Teilnehmenden beschlossen eine Erklärung zum Terror der Hamas gegen Israel. Die Teilnehmenden zeigten sich erschüttert über die alle Begriffe sprengende Gewalt. Es handele sich um die schlimmsten Angriffe auf jüdisches Leben seit 1945. Die BAG K+R steht uneingeschränkt solidarisch an der Seite Israels. Der Terror sei durch nichts zu rechtfertigen und dürfe nicht relativiert werden. Die Erklärung forderte Politiker*innen und Sicherheitsbehörden dazu auf, sich stärker gegen Antisemitismus zu positionieren und jüdisches Leben auf lange Sicht zu schützen. 

Quelle: BAGKR

20.10.2023

Wird nie Frieden im Heiligen Land? Von Dr. Christian Staffa

Wir stehen fassungslos vor dem abgründigen und sadistischen Massaker durch die Hamas-Terroristen aus dem Gaza. Wir wussten um die Bedrohung, die vom Gaza seit langem in Form von Angriffen mit Raketen und Tunneln nach Israel ausgeht. Von Norden und Nordosten kommen Raketen noch zögerlich, aber doch mit der Botschaft es wird keinen Frieden geben für Israel. Es soll kein Israel mehr geben!

Aber halt! Frieden im Heiligen Land? Es fällt ja immer mal wieder auf, dass protestantische Delegationen sich um das Wort Israel herumschleichen, bei gleichzeitiger Betonung des Existenzrechtes Israel. Heiliges Land, das ist nach EKD Orientierungshilfe so etwas wie der Staat Israel und die besetzten palästinensischen Gebiete, und der Gazastreifen, aber auf krude Weise auch eine Vermeidung der Anerkennung Israels jenseits des Heiligen.

Wie könnte Frieden werden? Vermutlich war es nie hilfreich, Ratschläge nach Israel zu senden, was Israel – deutlich seltener, was die palästinensische Seite, oder jedes Nachbarland - tun müsste, um in Frieden mit seinen Nachbarn leben zu können.  Noch weniger wird die UNO befragt, ob denn das Aufrechterhalten der Flüchtlingslager nicht menschenrechtlich mehr als bedenklich ist und auf keinen Fall den Frieden fördert. Inklusion der 3. Generation Flüchtlinge in den Autonomiegebieten und im Libanon und Syrien, wären echte Schritte auf dem Weg zu ein wenig mehr Frieden.

„Wirklicher Friede für Israel bedeutet die Aussicht, in der Welt auf eine neue Art leben zu können. Die Aussicht, dass Israel nach und nach von den Verheerungen durch 2000 Jahre Exil, Verfolgung und Dämonisierung genesen wird.“, so sagte David Grossmann in seiner Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels.

Die Verheerungen durch die skrupellosen Mörder der Hamas am 7. Oktober 2023 sind wohl motiviert von den zunehmenden und durchaus erfolgreichen Friedensbemühungen sogar der jetzigen israelischen Regierung. Das wollte die Hamas nicht dulden, denn sie will keinen Frieden. Ihr Vernichtungswille ist auf grausamste Weise manifest.

„Nie Frieden“ ist kein vernunftgeleiteter Ansatz. Aber vielleicht geht es für einen langen Augenblick noch eher um Sicherheit. Dafür braucht es neue Ansätze, die auch mit dem Abgründigen rechnen und darauf sich beziehen, keine wohlfeilen Reden, sondern wirkliches - vielleicht sogar militärisches - Tun, z.B. der Nato, aber eben auch der Entwicklungspolitik, auch der kirchlichen - sinnvolle Bedingungen  zu stellen, Gespräche zu vermitteln und eigene Fehler zu analysieren. Als Antisemitismusbeauftragter der EKD kann ich nur schließen mit einer Bitte um selbstkritisches kirchliches Tun, israelbezogenen Antisemitismus in den eigenen Reihen und der Ökumene zu adressieren und zu bekämpfen im Interesse eines anders ausgerichteten „Nie wieder“.

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