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„Die Würde des Menschen ist unantastbar!“

Diese Kernaussage des Grundgesetzes steht für die Arbeit von „Kirche stärkt Demokratie“. „Kirche stärkt Demokratie“ bietet seit 2011 qualifizierte Fortbildungen und Beratungen für Ehren- und Hauptamtliche. Unsere Angebote befähigen Menschen aus Kirchengemeinden in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rassismus und demokratiefeindlichen Einstellungen. Darüber hinaus beraten wir Mitarbeiter*innen und Ehrenamtliche aus Kirchengemeinden im Umgang mit menschenfeindlichen Haltungen, geben Anregungen für die Umsetzung lokaler Dialoge und die Öffnung von Kirchengemeinden zu anderen Akteuren im Ort.

Aktuelles & Bilder

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21.05.2024

"Von den Grenzen der Streitkultur in einer wehrhaften Demokratie" Öffentliche Podiumsdiskussion

Das Oberverwaltungsgericht Münster bestätigte kürzlich: Die AfD ist und bleibt ein „rechtsextremistischer Verdachtsfall.“ Die Landesverbände u.a. in Thüringen und Sachsen gelten als gesichert rechtsextrem. Ähnlich sieht es mit der Jungen Alternative (JA) aus, die weit verzweigte personelle Überschneidungen mit der Alt-Right-Bewegung und Personen aus klassischen Neonazi-Subkulturen unterhält. Die Organisationen stehen mit dem Grundgesetz somit auf Kollisionskurs. – Vor der Bühnenblende der laufenden gesellschaftlichen Debatte ist strittig, ob man eine Partei, die volatil um die 20% der Wähler:innen hinter sich vereint, verbieten kann. Was braucht es noch, um die Verbotsdebatte mit Nachdruck voranzubringen? Wann entsteht aus einer latenten Gefahr für unsere freiheitlich-rechtsstaatliche, plurale und menschenrechtsorientierte Ordnung ein irreversibler Kipp-Punkt ins Autoritäre, in eine menschenverachtende Entwicklung, die wir dann nicht mehr aushebeln respekte zurückdrängen können? Mit Gästen, die unterschiedliche Perspektiven mitbringen diskutieren am Dienstag, den 4. Juni 2024 um 19:00 Uhr Dr. Daniel Trepsdorf, Leiter des Regionalzentrums für demokratische Kultur Westmecklenburg und Karl-Georg Ohse, Projektleiter "Kirche stärkt Demokratie" im  Wichernsaal, Apothekerstr. 48, 19055 Schwerin.

Gäste:

Tilmann Jeremias (Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern)

RA Alexander Hoffmann (Kiel, u. a. Anwalt im Rahmen der NSU-Prozesse) 

Victoria Flägel (Journalistin Katapult) 

Dr. Gudrun Heinrich (Politische Bildnerin, Uni Rostock)

Michael Seidel (Publizist, SVZ + NK/Schwäbisch Media)

Ulrike Seemann-Katz (Flüchtlingsrat MV) 

Moderation: Karl-Georg Ohse („Kirche stärkt Demokratie") und Dr. Daniel Trepsdorf (RAA-Demokratiezentrum Westmecklenburg) 

Zeit: Dienstag, 4. Juni 2024, 19:00 - 21:00 Uhr

Ort: Wichernsaal, Apothekerstr.48, 19055 Schwerin

Die Teilnahme ist kostenlos. Für die Teilnahme ist eine vorherige Anmeldung notwendig. Bitte melden Sie sich unter westmecklenburg@raa-mv.de  mit Ihrem Namen und ggf. Ihrer Organisation an. 

Anmeldefrist: Sonntag, der 2.6.2024. Es gelten die am Veranstaltungsort ausliegenden Regeln guter demokratischer und respektvoller Diskussionskultur. Die Veranstaltung wird zumindest partiell aufgezeichnet respektive im Web 2.0 (z. B. Social-Media-Plattformen) gestreamt.  

Anmeldelink: https://www.raa-mv.de/termin/wehrhafte-demokratie-was-spricht-fuer-ein-afd-verbot-und-was-dagegen/

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06.05.2024

Heben wir die verborgenen Schätze! Gedanken zum Grundgestzgeburtstag und zum Wahljahr 2024

Vor ein paar Jahren habe ich eine alte große Bauerntruhe geerbt. Das massive Eichenmöbel bietet viel Platz. Platz für alles, was ich nicht täglich nicht brauche aber auch nicht wegwerfen will. Letzte Woche habe ich sie mal wieder geöffnet und war erstaunt, was ich dort so alles fand: Alte Fotos, Zeitungsauschnitte aus der „Wendezeit“, eine DDR-Fahne und eine Eintrittskarte für ein Rolling-Stones-Konzert von 1990 in Ostberlin.

Wenn wir von „Kirche stärkt Demokratie“ unsere Fortbildungsseminare veranstalten, erlebe ich immer wieder Menschen, die ihre „Bauerntruhen“ öffnen. Menschen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen, mit biografischen Brüchen und Schrammen erzählen sich ihre Geschichten, stellen sie anderen zur Verfügung. Und, sie entdecken beim Zuhören auch eigene verborgene „Schätze“ in ihrer eigenen Geschichte.

Ohne die friedliche Revolution von 1989 wären sich diese Menschen vermutlich nie in so einem Seminar begegnet. Ehemalige Berufsoffiziere der NVA und Aktivistinnen des „Neuen Forums, Umweltaktivisten aus dem Westen und Jugendliche, die die DDR nur vom Hörensagen kennen. Was sie eint? Sie haben trotz aller persönlicher Tiefschläge, trotz Arbeitslosigkeit, Krankheiten oder Ehekrisen erlebt, dass eine freie, auf Eigenverantwortung gebaute Gesellschaft Spiel und Handlungsräume eröffnet, von denen einige nie zu träumen gewagt hätten. Und sie haben begriffen, dass dieser Austausch und das gemeinsame Arbeiten einen Rahmen brauchen, den wir als Leitung mit den Teilnehmern aushandeln und dann halten.

Seit 1990 haben wir mit der „Freiheitlich demokratischen Grundordnung“, wie sie im Grundgesetz vor 75 Jahren festgeschrieben wurde, so einen rechtsstaatlichen Rahmen. Er ermöglicht uns, dass wir, wie grade in Russland, nicht staatlichen Repressionen rechtlos ausgeliefert sind. Das Grundgesetz verpflichtet alle staatlichen Institutionen sich an der Menschenwürde auszurichten und diese zu schützen. Es gewährleistet, dass wir unsere Grundrechte, die in vielen Ländern der Erde nicht selbstverständlich sind, wahrnehmen können. Er bietet auch die Möglichkeit, ungestraft die Regierung zu kritisieren und dagegen zu opponieren, solange die Menschenwürde anderer und der „Rahmen“ nicht bedroht werden.

Manchmal scheint es mir, als wäre dieses Grundgesetz wie eine Bauerntruhe. Etwas verstaubt steht sie unbeachtet auf dem Dachboden. Und viel zu selten sehen wir hinein und heben die Schätze.

Im Juni 2024 haben wir Wahlen. Wir bestimmen, wer in unseren Gemeinden das Sagen hat. Und, wir entscheiden darüber, welche Wege wir in Europa gehen wollen. Diese Wahlen sollten wir nicht gering schätzen. Auch unsere Stimme hat Gewicht und Einfluss. Einfluss darüber, ob wir die schwierigen Entscheidungen über unsere Zukunft Menschen überlassen, die klug und ausgewogen ihr Mandat wahrnehmen. Oder, ob wir Menschen in die Parlamente bringen, die auf Kosten der Schwachen und der nachkommenden Generationen ein völkisches und engherziges „Zurück in die Zukunft“ proklamieren? 

Als ChristInnen und Christen haben wir einen Kompass in der Hand, der uns auch bei Wahlentscheidungen Orientierung bietet. Dieser Kompass zeigt auf „Frieden“, „Bewahrung der Schöpfung“ und „Gerechtigkeit“. Das sind große Themen, die aber auch im Kleinen gestaltet werden. Auch in einer Gemeindevertretung wird entschieden, ob Geflüchtete willkommen sind, ob alternative Energien Vorrang vor einer Umgehungsstraße haben oder die öffentlichen Einrichtungen barrierefrei gebaut werden. 

Die letzte Kommunalwahl der DDR vor 35 Jahren war die letzte „Wahl“ vor dem Untergang der DDR. Es war riskant, seine Zustimmung zur Einheitsliste zu verweigern und konnte Schikanen und Repressionen nach sich ziehen. 2024 brauchen wir weder Haftstrafen oder den Verlust des Arbeitsplatzes fürchten. Es gibt keine Wahlpflicht. Aber es gibt eine Bürgerpflicht, und ich meine, auch eine Christenpflicht,  denen unsere Stimme für eine befristete Zeit anzuvertrauen, die sich an demokratische Standards und Verfahren halten und nicht auf dem Rücken von Minderheiten, Ausgegrenzten und Nichtwahlberechtigten, wie z.B. Kinder und „Migranten“ Politik machen.

Meine Wunsch ist, dass wir als Christinnen und Christen öfters unsere Schatztruhen öffnen, um die verborgenen Schätze und Talente, die ein demokratisches Zusammenleben braucht ans Licht zu bringen.  

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser eine weise Entscheidung

Ihr 

Karl-Georg Ohse

 

 

 

Karl-Georg Ohse leitet seit 2011 das Projekt „Kirche stärkt Demokratie“. Das aus dem Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ geförderte Beratungs- und Fortbildungsangebot berät und qualifiziert in den Kirchenkreisen Mecklenburg und Pommern Ehren- und Hauptamtliche im Umgang mit demokratie- und menschenfeindlichen Einstellungen. 

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20.03.2024

„Die AfD tritt das christliche Menschenbild mit Füßen“

Die Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) hat zum Abschluss ihrer Klausurtagung in Dresden eine klare Warnung vor der AfD ausgesprochen: „Es alarmiert uns, dass 75 Jahre nach Verabschiedung des Grundgesetzes in Deutschland erneut antidemokratische Kräfte an die Macht streben. Wir sagen klar und unmissverständlich: Wer die AfD wählt, unterstützt eine Partei, die das christliche Menschenbild mit Füßen tritt.“

Weiter heißt es: „Mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit verstößt die AfD programmatisch gegen das Gebot der Nächstenliebe und vergiftet mit ihren Hetzparolen den Geist der Gemeinschaft. Diese Partei will uns die Mitmenschlichkeit, unseren Nächsten die Menschenwürde und Gott die Ehre entreißen. Wir bitten Christ*innen und Nicht-Christ*innen, mit ihrer Stimme bei den zwölf anstehenden Wahlen in diesem Jahr die Demokratie zu stärken und nicht zu schwächen.“

Die Bischofskonferenz, bestehend aus den leitenden Geistlichen der sieben in der VELKD verbundenen Landeskirchen unter der Leitung von Landesbischof Ralf Meister, besuchte auch die Kirchengemeinde in Pirna – einer Stadt, die im Dezember 2023 zum ersten Mal in Deutschland den von der AfD aufgestellten, parteilosen Kandidaten zum Oberbürgermeister wählte. Die dortige Kirchengemeinde engagiert sich in einem breiten Bündnis gegen Rechtsextremismus.

Quelle: https://intern.ekhn.de

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06.03.2024

Aufstehen für die Demokratie geht weiter, auch in MV

Demnächst in:

Bergen auf Rügen, 16. März, 14 Uhr, Platz des Friedens/ Friedensstr.

Pasewalk, 16, März,15 Uhr, Marktplatz

Schwerin, 19. März, 18 Uhr, Markt

Hinweis: "Kirche stärkt Demokratie" plant für den 23.04.24 einen Online-Erfahrungsausstauch zu den Demontartionen und Bündnissen. Näheres demnächst.

Quelle: Katapult, u.a.





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06.03.2024

Mit Rechtspopulismus umgehen: "Schweigen wird als Zustimmung gesehen"

Rechtspopulismus ist eine Herausforderung auf gesellschaftlicher Ebene. Immer öfter werden Menschen auch im Alltag damit konfrontiert. Wie wir uns in solchen Situationen richtig verhalten, erklären unsere evangelischen Kommunikationsexperten im Interview.

Oftmals kommen sie ohne Vorwarnung. Sätze, wie: „Diese Flüchtlinge kommen doch nur hierher, um zu schmarotzen!“ Sie kommen aus den Mündern der Großeltern, Eltern, Geschwister und vom Tisch im Restaurant nebenan – und führen nicht selten dazu, dass man erstarrt da sitzt und nicht so recht weiß, was man nun sagen soll. Ist es besser, in solchen Momenten zu schweigen, um den Frieden nicht zu gefährden? Oder ist es nicht vielmehr wichtig, sofort etwas entgegenzusetzen? Doch was? 

Darüber sprechen wir im Interview mit drei evangelischen Kommunikationsexperten: Paul Steffen, Politikwissenschaftler, Karl-Georg Ohse, Sozialpädagoge und Projektleiter von „Kirche stärkt Demokratie“, und Krischan Heinemann, Pastoralpsychologe und Leiter des Beratungs- und Seelsorgezentrum Hauptkirche St. Petri.

Zunächst gilt es, auf sich zu schauen. 

Karl-Georg Ohse rät dazu, zunächst auf sich selbst zu schauen: „In welcher Situation geschieht die Äußerung und wie bin ich gerade selbst verfasst? Habe ich gerade die Muße und Energie, in die Auseinandersetzung zu gehen und damit womöglich den Weihnachts- oder Familienfrieden zu gefährden?“ Bei eindeutig rassistischen oder anderweitig menschenverachtenden Aussagen sei es jedoch ungemein wichtig, eine Grenze zu setzen, so der Wissenschaftler weiter. Schließlich ginge es auch um die Frage, ob das Gegenüber gerade die eigene „Wahrheit“ verkünden wolle – also gar nicht an einem Gespräch interessiert ist – oder ob es sich wirklich um einen Dialog, ein gegenseitiges „Verstehen wollen“, handelt, sagt Krischan Heinemann. 

Doch auch mit genug Energie und einem grundsätzlichen beidseitigen Interesse am Gespräch fällt es vielen Menschen oft nicht leicht, den Mund aufzumachen, wenn sie eine rassistische oder rechtspopulistische Aussage hören. Politikwissenschaftler Paul Steffen nennt das den „Betroffenheitsreflex“, der aufkomme, sobald ein anderer Mensch laut oder ausfallend wird. „Da wollen Menschen diese Situation meist lieber übergehen oder wegdrücken – aber das ist selten hilfreich“, denn das unangenehme Gefühl würde für alle Beteiligten im Raum bleiben. „Und noch viel schlimmer: Schweigen wird als Zustimmung gesehen. Wenn etwas im Raum steht, ist es wichtig, auf irgendeine Weise zu reagieren und sei es, indem man Betroffenheit ausdrückt.

“Rechtspopulistische Aussagen irritieren – das kann man auch laut aussprechen"

Doch wie kann so eine Reaktion aussehen? Zunächst kann es hilfreich sein, einfach nachzufragen, rät Karl-Georg Ohse, denn: „Wer fragt, der führt. Es kann also helfen, nachzuhaken: ‚Was hast du damit gemeint?‘ oder auch: ‚Habe ich dich gerade richtig verstanden?‘ sind hierbei mögliche Einstiege.“ Das würde es – im besten Fall – erleichtern, hinter die eigentliche These der Behauptung zu kommen. „Vielleicht geht es ja um etwas ganz anderes als die laut geäußerte rechtspopulistische Aussage.“ Diesen Ansatz vertritt auch Krischan Heinemann: Unzufriedenheit, Sorgen und Ängste seien alles Dinge, die jeder Mensch verstehen könne – „aber all das darf auch einem Realitätscheck unterzogen werden“. Meint: Versteht man selbst das Gegenüber in seinen menschlichen Emotionen, fiele es auch diesem leichter, sich und die Gefühle hinter den Parolen zu verstehen. Oft seien dann die „simplen Lösungen“ fraglich und würden weder dem Gegenüber, noch sonst wem helfen. Wichtig sei auch, die eigene Irritation deutlich zu machen, ergänzt Paul Steffen. „Dabei sollte man darauf achten, nicht zu anklagend zu formulieren, sondern möglichst unaufgeregt Haltung zu zeigen.“ Niemand müsse in solchen Momenten die überzeugendsten Argumente zur Hand haben. Meistens würden einem die guten Argumente ohnehin erst dann einfallen, wenn das Gespräch schon vorbei ist, sagt Karl-Georg Ohse. Viel wichtiger sei es, dem Entsetzen über bestimmte Aussagen den notwendigen Raum zu geben. „Es hilft ebenfalls, auf die eigenen Erfahrungen und Sichtweisen zurückzugreifen und diese in der Ich-Perspektive zu teilen“, so Paul Steffen. Wenn also das Gegenüber verallgemeinernde Aussagen über eine Menschengruppe tätigt, ließe sich mit einem einfachen: „Das habe ich anders erlebt“ oder: „Das hört sich für mich sehr übertrieben an“ reagieren. Dies sei noch kein Frontalangriff, erklärt der Politikwissenschaftler, würde das Gesagte jedoch gut abfangen. Und man dürfe auch „Stopp!“ sagen, betont Krischan Heinemann: „Ich kann nicht mehr zuhören, ich verstehe das nicht, ich ertrage das nicht“ – alles legitime Gründe, ein Gespräch dieser Art abzubrechen. Ein Dialog bringe nichts, wenn man selbst beispielsweise genervt oder abgestoßen ist, denn schließlich brauche man für ein gutes Gespräch Zeit, Ruhe, eine gute Atmosphäre, Raum und Bereitschaft, so der Pastoralpsychologe weiter.

Auch eine Sache der Übung

Rechtspopulistische Aussagen – egal, ob sie von unseren Liebsten oder Fremden kommen – bringen viele Menschen oftmals aus dem Konzept. Man reagiert mit Scham, denn in solchen Momenten „schämen wir uns für unsere Mitmenschen, obwohl wir das eigentlich nicht müssten“, erklärt Karl-Georg Ohse. Und nicht selten hätte man Angst vor einem Schlagabtausch, vor der Konfrontation und einer Eskalation. „Wir haben dabei oft im Hinterkopf, was alles Schlimmes passieren könnte, dabei ist es meistens gar nicht so, gerade dann nicht, wenn unser Gegenüber redebereit ist.“ Nicht zuletzt wachsen viele Menschen mit einem Missverständnis von Streit auf, sagt Paul Steffen: „Streit wird in nicht wenigen Familien als etwas Negatives angesehen. Was verständlich ist, denn wann geht man schon einmal auseinander und sagt: ‚Man, was haben wir gut gestritten!‘ Dabei kann – konstruktiver – Streit sehr gut für jede Beziehung sein.“ Letztlich sei es auch eine Sache von Übung: Je öfter man etwas sagt, sobald man eine rechtspopulistische Aussage hört, desto leichter fällt es mit der Zeit. 

Paul Steffen, Politikwissenschaftler, Fachstelle Engagementförderung und 

Karl-Georg Ohse, Sozialpädagoge, Projektleiter „Kirche stärkt Demokratie“ im Sprengel Mecklenburg-Pommern bieten einen Workshop zum Thema Umgang mit Rechtspopulismus. 

Wann? Samstag, 16. März, 10:30-15Uhr 

Wo? Haus der Kirche, Max-Zelck-Straße 1, 22459 Hamburg

Bei Interesse an einer Teilnahme, melden Sie sich unter folgender E-Mail an: paul.steffen@kirchenkreis-hhsh.de 

Quelle: https://www.kirche-hamburg.de/nachrichten                                                                                                                                                                                                                                   

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01.03.2024

Katholische Bischöfe: Christsein und AfD geht nicht zusammen

Deutsche (katholsische) Bischofskonferenz (DBK) diskutiert Fragen zur Zukunft der Demokratie im Wahljahr 2024

Derzeit wird in Deutschland intensiv über das demokratiegefährdende Potenzial rechtsextremer Parteien diskutiert, vor allem über die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) und das hinter ihr stehende Milieu. Die DBK hatte sich bereits auf der zurückliegenden Herbst-Vollversammlung in Wiesbaden (25. bis 28. September 2023) dem Umgang mit Rechtsextremismus, auch innerhalb der Kirche, gewidmet und dabei die Ablehnung menschenverachtender und demokratiefeindlicher Aussagen ins Wort gefasst. 

Aus der Pressemitteilung der DBK: "Am 9. Juni 2024 finden in Deutschland die Europawahl und zugleich zahlreiche Kommunalwahlen statt. Im September 2024 stehen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen Landtagswahlen an. Laut Umfragen droht die AfD in den drei Ländern stärkste Kraft im Parlament zu werden. Es ist deshalb unbedingt erforderlich, dass die katholische Kirche weiterhin klar Position bezieht. Und das haben die deutschen Bischöfe auch in der Vergangenheit gemacht, wenn es darum ging, sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu bekennen und sich zugleich gegen Populismus und Extremismus zu stellen." Bischof Bätzig, der Vorsitzende der DBK erinnerte daran, dass: "bei der Abschluss-Pressekonferenz auf der Frühjahrs-Vollversammlung 2017 in Bensberg „rote Linien“ für legitimes politisches Engagement formuliert wurden; dass die Deutsche Bischofskonferenz 2019 erstens die Arbeitshilfe Dem Populismus widerstehen. Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen und zweitens – zusammen mit der EKD – das Gemeinsame Wort Vertrauen in die Demokratie stärken veröffentlicht hat; dass die Freisinger Bischofskonferenz im November 2023 eine Erklärung abgegeben und die nord-ostdeutschen Bischöfe am 19. Januar 2024 öffentlich erklärt haben, dass sie „vor dem Hintergrund unseres eigenen Gewissens die Positionen extremer Parteien wie dem III. Weg, der Partei Heimat oder auch der AfD nicht akzeptieren können“. Das sind nur einige Beispiele von vielen anderen, zu denen auch die Beteiligung von zahlreichen Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz bei Großdemonstrationen gegen rechts in diesen Wochen zählt."

Die bei der Vollversammlung jetzt in Augsburg einstimmig verabschiedete Erklärung trägt den Titel Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar. Sie beschreibt die ideologischen Grundlagen dieser Weltanschauung, die auf der Annahme beruht, dass das Volk als Ethnos, als Abstammungs- und Blutsgemeinschaft, existiert und dass das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft, religiöser Zugehörigkeit und kultureller Prägung prinzipiell infrage gestellt werden müsse. Der Volksbegriff des völkischen Nationalismus steht im Gegensatz zur auch im Grundgesetz verankerten Vorstellung des Volkes als Demos, d. h. als Gemeinschaft der Gleichberechtigten, die auf der Grundlage der Menschenrechte unsere Gesellschaft gemeinsam aufbauen.  

Die Bischofskonferenz stellt zudem heraus, dass rechtsextremistische Gesinnungen und Konzepte fundamental auf Ab- und Ausgrenzung ausgerichtet sind. Dabei wird die gleiche Würde aller Menschen entweder geleugnet oder relativiert. Ganz offenkundig steht diese Ideologie in scharfem Gegensatz zum christlichen Menschenbild, für das die Menschenwürde Ausgangs- und Zielpunkt darstellt. In der Erklärung der deutschen Bischöfe wird auch deutlich herausgearbeitet, dass die Verengung des Solidaritätsprinzips – nämlich die ausschließliche Orientierung auf die Angehörigen des eigenen, ethnisch homogen verstandenen Volkes – mit den Grundlagen der christlichen Sozialethik gänzlich inkompatibel ist. Auch das Demokratieprinzip, das auf dem Gedanken der gleichen Rechte aller beruht, ist damit infrage gestellt.

Schon diese wenigen Stichworte zeigen: Es geht bei der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus nicht um einzelne politische Differenzen. Es geht um fundamentale Unterschiede im Verständnis des Menschen. Deshalb kommt die bischöfliche Erklärung zu dem Schluss: „Völkischer Nationalismus ist mit dem christlichen Gottes- und Menschenbild unvereinbar. Rechtsextreme Parteien und solche, die am Rande dieser Ideologie wuchern, können für Christinnen und Christen daher kein Ort ihrer politischen Betätigung sein und sind auch nicht wählbar. Die Verbreitung rechtsextremer Parolen – dazu gehören insbesondere Rassismus und Antisemitismus – ist überdies mit einem haupt- oder ehrenamtlichen Dienst in der Kirche unvereinbar.“ Konkret mit Blick auf die AfD wird beschrieben, dass in dieser Partei mittlerweile eine völkisch-nationalistische Gesinnung dominiert. Die AfD changiert zwischen einem echten Rechtsextremismus und einem Rechtspopulismus, der der schillernde Rand des Rechtsextremismus ist und von diesem ideologisch aufgeladen wird. Eine solche Partei zu wählen bedeutet, sich gegen die Grundwerte des menschlichen Zusammenlebens und der Demokratie in unserem Land zu stellen.

Bei alledem sind sich die Bischöfe auch darin einig, dass die Kirche sich dem Dialog mit Menschen, die sich für solche extremistische Botschaften empfänglich zeigen, aber gesprächswillig sind, nicht entziehen darf. Und schließlich: Selbstverständlich müssen reale Probleme in unserer Gesellschaft, die von rechtsextremer Seite instrumentalisiert werden, angegangen werden: von Gerechtigkeitsfragen bis hin zur Notwendigkeit einer guten Integration aller Migranten.

Quelle: Deutsche Bischofskonferenz

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01.03.2024

Die EKD zieht nach: Ratsvorsitzende Fehrs warnt Wahl der AfD

 Die amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, die auch Bischöfin in der Nordkirche ist, schließt sich der Warnung der katholischen Bischöfe vor einer Wahl der AfD an. In diesen Zeiten, in denen Rechtsextremisten die „Grundwerte unseres Zusammenlebens“ infrage stellten, sei eine klare und gemeinsame Haltung der Kirchen wichtig, erklärte Fehrs am Montag.                     

„In diesen Zeiten, in denen Rechtsextremisten die Grundwerte unseresZusammenlebens infrage stellen, ist ein klare und gemeinsame Haltung der Kirchen wichtig. Die aktuelle Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz und der Beschluss der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland vom Dezember 2023 liegen für mich klar auf einer Linie.                                                       

Völkisch-nationale Gesinnungen sowie menschenverachtende Haltungen und Äußerungen seien mit den Grundsätzen des christlichen Glaubens in keiner Weise vereinbar, betonte die Hamburger Bischöfin. „Wir ziehen daraus die gemeinsame Konsequenz, vor der Wahl rechtsextremer Parteien einschließlich der AfD zu warnen, weil sie Minderheiten ausgrenzen und die Demokratie gefährden.“

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hatte vergangene Woche vor einer Wahl ultrarechter Parteien, einschließlich der AfD, gewarnt. Die AfD changiere zwischen einem echten Rechtsextremismus und einem Rechtspopulismus, der weniger radikal und grundsätzlich daher komme, hieß es in einer auf der Frühjahresvollversammlung der Bischöfe verabschiedeten Erklärung.

Fehrs verwies auf einen Beschluss der EKD-Synode von Anfang Dezember 2023. Dieser liege für sie „klar auf einer Linie“ mit der Erklärung der katholischen Bischöfe, sagte sie. In dem Beschluss hatte die Synode dazu aufgerufen, „ausschließlich Parteien aus dem demokratischen Spektrum zu wählen, die sich für eine offene Gesellschaft der Vielfalt und ein gerechtes, demokratisches Gemeinwesen einsetzen“.

Die EKD-Ratsvorsitzende rief auch dazu auf, mit Menschen in den Dialog zu treten, die mit Rechtsaußen-Parteien sympathisieren. „Wir müssen uns deutlich mehr dafür interessieren, was die Gründe dafür sind“, sagte Fehrs. Zugleich müsse auch in den Reihen der Kirche gegen diskriminierende Ressentiments vorgegangen werden.


Quelle: EKD

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25.02.2024

Integrationsbeauftragte: Viele Menschen heute sensibilisierter beim Thema Rassismus 20 Jahre nach dem Mord an Mehmet Turgut

Am 25. Februar 2024 jährt sich der Mord an Mehmet Turgut in Rostock zum 20. Mal. Der junge Kurde wurde in einem Imbiss im Stadtteil Toitenwinkel aus rassistischen Motiven ermordet. „Auch zwei Jahrzehnte nach der Tat müssen wir uns in der Gesellschaft mit Rassismus und Rechtsradikalismus auseinandersetzen. Das ist die Realität“, macht die Integrationsbeauftragte des Landes, Jana Michael anlässlich des Todestages von Mehmet Turgut deutlich. Michael wird am Sonntag als eine von vielen Gästen die Gedenkfeier in Rostock begleiten.

 Michael betont, dass es solche Formen des Terrors in Deutschland überhaupt noch geben kann, sei erschreckend. „Die Umstände des Todes von Mehmet Turgut führen bis heute zu einem unermesslichen Schmerz für seine Familie“, so Michael. Um eine Aufarbeitung zu ermöglichen, sei laut Michael entscheidend, dass der Staat mit seinen Organen, Politikerinnen und Politiker und die Zivilgesellschaft anerkennen würden, dass Rassismus in Deutschland noch immer ein Thema sei.

 „Erst, wenn wir dieses Problem beim Namen nennen, kann es uns gelingen, als eine wehrhafte Demokratie entschlossen dagegen zu handeln“, fügt Michael hinzu. Dass die Gesellschaft klare Zeichen setzen könne, verdeutlichten die Demonstrationen der letzten Wochen. Jeder Mensch, der für Freiheit, Toleranz und gegen Rassismus und Rechtsradikalismus auf die Straße gehe, trage dazu bei, dass sich eine Tat wie der Mord an Mehmet Turgut nicht wiederholt, so Michael. 

 Die Integrationsbeauftragte zeigt sich zuversichtlich, dass die Gesellschaft aus solchen Taten lernen kann: „Mein Eindruck ist, dass viele Menschen heute deutlich sensibilisierter für die Thematik sind, als es im Jahr 2004 der Fall gewesen ist.“ Viele Menschen in Deutschland und MV setzten sich laut Michael aktiv für die Teilhabe von Menschen mit Einwanderungsbiografie ein. 

 „Mein Dank gehört vor allem der engagierten Zivilgesellschaft und den Migrant:innenselbstorganisationen (MSOs). In den 20 Jahren haben wir es dank ihres Einsatzes erreicht, dass die migrantische Gesellschaft mehr Mitspracherechte hat. Sie kämpfen unermüdlich für Gerechtigkeit, Gleichstellung und Partizipation“, betont Michael. Die MSOs seien es auch gewesen, die immer wieder auf die Unstimmigkeiten bei den Untersuchungen zum Fall Mehmet Turgut aufmerksam gemacht und nach Erklärungen gefragt hätten. 

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17.01.2024

"Freiheit in Verantwortung"- 16. Tagung des Nordeutschen Friedensnetzwerkes

Vom 22.-24. Februar 2024 trifft sich Salem das "Norddeutsche Friedensnetzwerk"

Das Norddeutsche Netzwerk Friedenspädagogik tagt auch 2024 wieder in Präsenz!

Alle Interessierten sind herzlich zur 16. Fachtagung „Freiheit in Verantwortung – Verantwortung in Freiheit“vom 22.-24. Februar 2024 ins Tagungshaus Ferienland Salem in Malchin/Mecklenburg-Vorpommern eingeladen! Einen ersten Einblick in das Tagungsthema, sowie alle wichtigen Informationen zur Anmeldung können Sie dem Tagungsflyer oder der Homepage des Norddeutschen Netzwerks Friedenspädagogik entnehmen. 

"Viele Menschen sprechen von „ihrer“ Freiheit, die es zu erhalten gilt.
Welche Freiheit ist hier gemeint? Welche Freiheit wollen wir als Gesellschaft erhalten? Für welche Freiheit
setzen wir uns ein? Können wir frei sein, wenn andere es nicht sind? Können wir uns frei entfalten, wenn
andere aufgrund unserer Lebensweise, sozialer Ungerechtigkeit und Krieg auf der Flucht umkommen?
Friedenspädagogik orientiert sich an einem ‚guten Leben‘ für alle. Welche Voraussetzungen sind hier-
für nötig? Wie hängen in einem guten Leben Freiheit und Verantwortung zusammen?
Wird Verantwortung durch Freiheit aufgehoben? Wird Freiheit durch Verantwortung begrenzt?
Rassismus, Klassismus und andere Formen der Ausgrenzung und Unterdrückung verhindern Freiheit
und trennen Menschen. Welche Rolle spielen wir als Einzelne darin und was ist unsere Verantwortung?
Die Diskussionen um Menschenrechte und unsere koloniale Vergangenheit und Gegenwart zeigen, dass
diese Fragen nach wie vor nicht beantwortet sind. Ebenso schränken Klimakrise, Krieg und weltweite
Ungerechtigkeiten Freiheit ein, und rufen nach einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen.
Wie wollen und können Gesellschaften ihr Verständnis von Freiheit und Verantwortung aushandeln?
Welche Positionen und Perspektiven werden gehört und gelten als legitim und valide?
Mit diesen Fragen möchte das Norddeutsche Netzwerk Friedenspädagogik Akteur:innen aus Politik,
Zivilgesellschaft und Schule einladen, sich in Workshops, Vorträgen und Diskussionsrunden auszu-
tauschen und zu vernetzen. Francis Seeck wird die Tagung mit einem Vortrag zu Klassismus eröffnen.
Şeyda Kurt ist als Referent*in angefragt.
Weitere Details zur Tagung finden Sie unter www.netzwerk-friedenspädagogik.de."

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21.12.2023

Das Jahresprogramm von „Kirche stärkt Demokratie“ widmet sich 2024 dem Dialog: „Raus aus dem Krawall-Modus“

2024 bietet „Kirche stärkt Demokratie“ wieder interessante und kostenfreie Fortbildungen an. 

Die Frage, wie Begegnung und Dialog in gesellschaftlich und kirchlich aufgeladenen Zeiten gelingen bewegt die Projektverantwortlichen Thorid Garbe und Karl-Georg Ohse schon lange: „Kirche stärkt Demokratie hat in den letzten Jahren positive Erfahrungen mit der Council-Haltung und -Methode gesammelt. Deshalb geben wir diese in einer Fortbildungsreihe an Ehren- und Hauptamtliche weiter“. In polarisierenden Zeiten lädt das Projekt, das aus Bundes,- Europa und -Kirchenmittel gefördert wird, an drei Wochenenden im März, Oktober und November ein, eine Haltung zu üben, die echten Dialog und gesellschaftliche Solidarität fördern. Darüber hinaus wird es vom 14. bis zum 16. Juni einen „Pilgerweg der Demokratie“ von Neubrandenburg nach Neustrelitz geben.

Das 11. Forum „Kirche und Rechtsextremismus im Norden“, das in Kooperation mit anderen Projekten in der Nordkirche organisiert wird, findet 2024 in Mecklenburg-Vorpommern statt. Es lädt vom 21. bis 22. September nach Graal Müritz ein.

Auch für kleinere Fortbildungsformate und Beratungen steht das Team auf Anfrage zur Verfügung. 

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