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„Gleichgültigkeit macht nicht alles gleich gültig“

Das 13. Forum „Kirche und Rechtsextremismus im Norden“ tagte in Rostock

Von wegen, kühler Norden! Das 13. Forum „Kirche und Rechtsextremismus im Norden“ fand in diesem Jahr unter extrem heißen Bedingungen statt. Nicht nur, weil die Temperaturen sich am letzten Juniwochenende der 40-Grad-Marke näherten. Sondern auch, weil  Mecklenburg-Vorpommern ein heißer Sommer bevorsteht, denn am 20. September finden im Nordosten Landtagswahlen statt. Auch hier liegt die AfD in den Umfragen vorne.

Vielleicht hatte deshalb das 13. Forum in Rostock, das in diesem Jahr gemeinsam mit der BAGKR organsiert wurde, einen Besucherrekord zu verzeichnen. Über 60 Teilnehmende aus Norddeutschland kamen, um sich der gesellschaftlichen und theologischen Frage nach Wahrheit in Zeiten von Fake News und gezielter Desinformation zu stellen.

In der wohltemperierten Petrikirche machte die Publizistin, Autorin und Schauspielerin Samira EL Ouassil den Aufschlag. Sie analysierte in Ihrer Keynote die Funktionsweise und gesellschaftlichen Folgen der intrumentellen Lüge. „Die Krise der Wahrheit“, so El Ouassil, „ist nicht nur eine Informationskrise. Sie ist auch eine Gleichgültigkeitskrise.“ In Zeiten, in denen sich die Realität kaum noch von der erfundenen Wirklichkeit unterscheiden lässt, brauche es darum kognitive und emotionale Anstrengungen, sich Fake News und Desinformationen entgegenzustellen. Der moderne Populismus setze auf die Erschöpfung der Wahrheitssuchenden. Aber eine Demokratie brauche geteilte Realitäten, sonst wird sturmreif zuinformiert.

 Roland Rosenstock, Theologe und Medienpädagoge hob in seinem Vortrag davon ab, dass der biblische Wahrheitsbegriff aus einer Suchbewegung entsteht und sich Wahrheiten aus Begegnungen konstituieren. Im Gegensatz zu autoritären Ideologien, die einen unhinterfragbaren Absolutheitsanspruch beanspruchen, sei der jüdisch-christliche durch Reflexion und ein kritisches Ringen charakterisiert.

Für den Publizisten und Juristen Hendrik Cremer war das Forum die letzte Station seine Lesereise. In „Je länger wir schweigen, desto mehr Mut werden wir brauchen!“ analysiert Cremer den Weg der AfD in den Rechtsextremismus und warnte vor 150 Zuhörer:innen vor den Folgen einer Regierungsbeteiligung.

Leider stand am 2 Tag des Forums die kühle Kirche nicht zur Verfügung. Trotzdem erfrischten die semantischen und politologischen Einordnungen zum Thema „Wahrheit-Desinformation-Fake News“ des Hamburger Politikwissenschaftlers Paul N. Steffen das Auditorium. Seine Impulse wurden in drei Workshops vertieft. Das Abschlussplenum bestätigte das Organisationsteam, dass es weitere Veranstaltungen aber auch Strategien bedarf, damit sich die Kirchengemeinden im Norden auf die herausfordernden politischen Entwicklungen einstellen.